Der Prauneggner Umbgang am Charfreytag: Karfreitagsprozession in Bruneck

Im Kloster Muri-Gries in Bozen ist die sogenannte Brunecker Rolle verwahrt, die eine Karfreitagsprozession in Bruneck im Zeitalter des Barock (in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts) zeigt. Die farbenprächtigen Darstellungen sind auf Papier gemalt, die Rolle ist insgesamt mehr als fünf Meter lang und 20 Zentimeter breit.

Am Platz vor der Brunecker Rainkirche wurden Passionsspiele aufgeführt, die 1532 erstmals erwähnt sind. Später (1611 oder 1617) kam eine Karfreitagsprozession hinzu, bei der die Leidensgeschichte Jesu in bildlichen Szenen dargestellt wurde. Diese Prozession verdrängte später die eigentliche Passionsdarstellung auf einer Bühne.

Die bei der Passion und bei der Prozession rezitierten Texte sind im Fall von Bruneck nicht erhalten. Johann Nepomuk Tinkhauser aber schrieb 1834 in seinen „Geschichtlichen Nachrichten“, dass in seiner Jugend noch die ältesten Personen in Bruneck Teile der Texte auswendig kannten, die bei der Prozession gesprochen worden waren und die in der Zeit des Josephinismus (um 1780) durch das Rosenkranzgebet ersetzt worden waren.

Die Brunecker Rolle ist die älteste erhaltene Darstellung einer Karfreitagsprozession in der weiteren Umgebung. Sie zeigt 29 nummerierte Szenen, die jeweils in einer Legende beschrieben sind.


Quelle:

Walter Landi, Bildliche Darstellung der Karfreitagsprozession in Bruneck (Brunecker Rolle), Mitte des 17. Jahrhunderts, in: S. Spada Pintarelli (Hg.), Bozen 1700-1800. Die Stadt und ihre Kunst. Ausstellungskatalog (Bozen, Stadtgalerie und Merkantilgebäude, 16.10.2004 – 16.01.2005), S. 84-85.

Weiterführende Literatur: 

Eva Gadner, „Der Prauneggner Umbgang am Charfreytag“ (Brunecker Rolle), in: Brunopolis. Bruneck in Bildern 1256-2006/Brunico per immagini 1256/2006. 28. Juni – 15. Oktober 2006, Stadtmuseum Bruneck. 500 Jahre Künstler in Bruneck. 8. Juli – 15. Oktober 2006, Schloss Bruneck, Bruneck 2006, S. 266.

Anton Dörrer, Die geistlichen Bürgerspiele in Bruneck (Pustertal), in: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen, Bd. 150 (1930), Heft 1/2, S. 1-12.


Alle Bilder: © Benediktinerkloster Muri-Gries, Bozen.

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