Akten und Amtsbücher

Die Neuordnung, die dieser Bestand vormals im Staatsarchiv Bozen erlebte, aber vermutlich auch frühere Aktionen, wie sie etwa Karl Böhm bei anderen, dem Tiroler Landesarchiv zu Beginn des 20. Jahrhunderts übergebenen kommunalen Beständen durchführte, sanktionierte die ahistorische Trennung zusammenhängender Gruppen nach rein äußeren Kriterien: Ungebundene Beilagen („Akten“), wie etwa Rechnungsbelege, werden von den zugehörigen gebundenen „Amtsbüchern“ getrennt. Wenn sich auch manchmal die ursprüngliche Zugehörigkeit der (meist nummerierten) Rechnungsbelege in mühevoller Kleinarbeit noch rekonstruieren ließe, so ist dies für eine Vielzahl anderer, loser Archivalien nicht mehr möglich.

Die Serien I bis XI enthalten Ratsprotokolle, Bürgermeisteramtsrechnungen und andere Rechnungen und Rechnungsregister, Urbare der Stadt, Ordnungen und Chroniken.

Die Serien XII bis XXX enthalten Archivalien aus der Verwaltung des (gestifteten) Vermögens des Heilig-Geist-Spitals, der Pfarrkirche und anderer Kirchen, Stiftungen und Benefizien, die im 19. Jahrhundert von der Kommune in den dafür eingerichteten Pfarrkirchenfonds, Armenfonds, Schulfonds und Spitalfonds übernommen wurden. Die Übernahme der Verwaltung bedingte notwendigerweise auch die Übergabe der früheren Archivalien aus den Ursprungsarchiven, vornehmlich aus dem Pfarr- und Dekanatsarchiv Bruneck. Die in den dortigen Beständen ersichtlichen (großen) Lücken werden durch die Bestände des Stadtarchivs nur zum Teil geschlossen.

Die Serien XXXI bis XXXVIII enthalten Akten und Unterlagen zum Lorenzimarkt, zur Landesverteidigung, Einquartierung, Durchzug und Verpflegung von Truppen, zum Bau von Straßen und Brücken, zum Schul- und Sanitätswesen und zu zivilrechtlichen Prozessen.

Die Serien XL bis XLII enthalten Urbarsbetreffe der mit der Säkularisierung von 1803 aufgehobenen bischöflichen Herrschaft Bruneck. Das bischöfliche Amt (Oberamt) verwaltete die Grundherrschaft des Bischofs im Raum Bruneck, die sich aus Gütern in Streulage in den Gerichten und Orten Aufhofen, Antholz, Bruneck, Percha, Prags, Pfunders, Dietenheim, Taufers, Tesselberg, Toblach, Thurn, Enneberg, Gais, St. Georgen, Geiselsberg, Gsies, Mühlbach, Montal, Ober- und Niederolang, Rasen, Reischach, Ried bei Zell, Runggen, Stegen und Stefansdorf zusammensetzte. Die Güter bildeten zudem ein bischöfliches Territorialgericht mit eigenem Gerichtshof (wenn auch ohne Hochgericht).

Die Serien XLIII bis XLVIII enthalten Abschriften von Landtagsakten, Kaufverträge und verschiedene Akten, das Familienarchiv Tinkhauser, Steuersachen, verschiedene Urbare, verschiedene Kodizes und Suppliken an den Stadtrat.

Schließlich gibt es noch eine Zusammenfassung der Miscellanea unter der Serie L und von Landkarten zu Liegenschaften der Gemeinde Bruneck unter LI.

 

Quelle: Christine Roilo, Das Brunecker Stadtarchiv und seine Bestände, in: Stefan Lechner (Hg.), Der lange Weg in die Moderne. Geschichte der Stadt Bruneck 1800-2006, Innsbruck 2006, S. 395-420, hier: 404-416.