Paul-von-Sternbach-Straße 10: Ansitz Teissegg

Grundbuch-Nr.: 11

Frühere Namen:

Der Ansitz Teissegg im Brunecker Stadtteil Oberragen befindet sich in der Nähe der anderen Brunecker Ansitze Ragen und Sternbach und direkt neben dem Ansitz Einsiedl.

Erbauer war vermutlich Paul der Teisser d.Ä., ein Sohn des Achatius de Teiss bzw. de Lajan und der Katharina von Rischon aus dem Geschlecht der Edlen von St. Lamprechtsburg. Paul Teisser versah das Pflegamt auf dem Brixnerischen Schloss St. Lamprechtsburg, nachdem das Geschlecht der Edlen von St. Lamprechtsburg um 1380 erloschen war. Mit Hugo Teisser von Teissegg erlosch bald nach 1504 auch das Geschlecht der Teisser.

Ulrich Gebhard, ein Sohn des Christian und der Sophie von Prack, war Lehensträger des Zehends aus dem Teisser Baumgarten hinter seinem Haus zu Oberragen und blieb bis 1522 im Besitz dieses Zehends. Vermutlich kamen die Teisser durch Hugos Ehe mit der Schwester des Ulrich Gebhard in den Besitz der Teisserhube.

1428 scheint das Haus vor dem Teisser Baumgarten als Besitz des Jörg Winkelhofer, Richters und Amtmannes zu Anras, und seiner Frau Dorothea auf. Ende der 20er Jahre des 16. Jahrhunderts aber trat das Geschlecht der Söll auf der Teisserhube auf. Peter Söll d.Ä. brachte neben der Teisserhube auch die Steinpeunte in Dietenheim an sich. 1501 versah er das Bürgermeisteramt in Bruneck. Sein Sohn Peter Söll d.M. machte als Hauptmann Karriere und beteiligte sich u.a. an der Verteidigung Wiens gegen die Türken (1532). Peter Söll erreichte 1542 die Erhebung in den Adelsstand mit Wappenbesserung mit dem Prädikat "von Teissegg".

Unter Peter Söll d.J. von Teissegg wurde die Teisserhube durch fürstbischöfliches Privileg zum Adelsansitz erhoben und mit den entsprechenden Freiheiten ausgestattet. Sein Enkel Leonhard setzte die Linie fort, verließ aber mit seiner Familie Tirol, nachdem er Teissegg 1629 an Balthasar Gall von Einsiedl überlassen hatte.

1632 überließ Balthasar von Gall den Ansitz Teissegg käuflich dem Fürstbischof von Brixen, der sich häufig in Bruneck aufhielt und während dieser Aufenthalte in Teissegg residierte. Da das Haus für seinen Hofstaat wohl zu klein war, ließ er daneben ein neues Gebäude, Einsiedl, errichten. Fürstbischof Wilhelm starb 1641 in Teissegg, danach wurde Melchior Vintler zu Platsch, Amtmann zu Bruneck, beauftragt, die Verwaltung der Teisseggischen Güter zu übernehmen.

Nach dem Tod des Fürstbischofs kam Balthasar von Gall wieder in den Besitz des Ansitzes samt dem neu erbauten Stock Einsiedl. 1646 wurden die Gall in die Tiroler Adelsmatrikel aufgenommen. Auf Balthasar folgte sein Sohn Veit Franz von Gall zu Ansiedl und Teissegg, der die Linie der Gall auf Teissegg und Einsiedl weiterführte. Auf ihn folgte Adam Balthasar und auf diesen Johann Franz Xaver von Gall, der zum kaiserlichen Bergwerksoffizier im ungarischen Schemnitz berufen wurde. Dessen Sohn Anton Franz hielt sich ebenfalls in Ungarn auf.

Im Jahr 1795 kam Teissegg in die Hand der Klebelsberger: Christoph Leonard Alexius von Klebelsberg zu Thumburg, Stadtrichter zu Bruneck, kaufte den Ansitz von Anton Franz von Gall. Er besaß darüber hinaus auch ab 1808 den Ansitz Ragen in Bruneck, ab 1825 den Ansitz Angerburg in Reischach und die "Engelsburg" (Einsiedl) in Bruneck. Nach seinem Tod 1828 ging der Ansitz an seine fünf Söhne, 1850 übernahm Karl von Klebelsberg das Erbe allein. Nach seinem Tod 1865 und jenem seines einzigen Sohnes Dr. Benedikt von Klebelsberg erbten die beiden Töchter Johanna und Karolina, 1870 erhielt Karolina von Klebelsberg den Ansitz samt Baumgarten zugewiesen. Karolina heiratete 1872 Otto Karl von Mayrhauser zu Spermannsfeld, sie starb 1879 in Bruneck und ihr Sohn Karl von Mayrhauser war als Universalerbe eingesetzt.

Im Grundbuch scheint Baronesse Nikolaia Bossi-Fedrigotti verehelichte Comtesse Mamming als Käuferin des Ansitzes auf.

Bemerkungen:

Der Ansitz samt Garten ist denkmalgeschützt (externer Link zum Monumentbrowser der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol).

Literatur:

Claudia Plaikner, Die Ansitze im Raum Bruneck, Diss. phil., Innsbruck 1994, Band I, S. 172-215. Anton Sitzmann, Häuserbuch der Altstadt Bruneck (1780-1964), Diss. phil., Band II, Innsbruck 1965, S. 292f.