Stadtgasse Nr. 62, 62a, 62b, 62c, Raingasse Nr. 17: Kirchbergerhaus

Foto: Alletto, 2015 (CC BY-SA 3.0).

Gedenktafel für Hermann von Gilm am Kirchbergerhaus. Foto: Stadtarchiv Bruneck.

Stemberger

Aus: Johann Georg Mahl, Bruneck und seine Umgebung: Ein Wegweiser durch die Stadt und in die nähere und weitere Umgebung für Fremde und Einheimische, Bruneck 1888.

Foto: Stadtarchiv Bruneck.

 

Adresse: Frühere Hausnummern: 112, 49

Grundbuch-Nr.: 63, 65

Frühere Namen:

Johann Tinkhauser bezeichnet das Haus für 1546 und 1700 als Oberamtsgerichts-Pfleghaus ("drey Häuser") bzw. Oberamtsgerichtshaus, für 1835 gibt er den Bierbräuer Michael Kirchberger als Eigentümer an.

Nach dem Ansitz Hohenzorn diente dieses Haus als Amtshaus des Stadtamtmannes. Es dürfte ursprünglich nicht besonders groß gewesen sein, da 1540 der Fürstbischof den Kauf des anliegenden Hauses von Sigmund Prenner beantragte. 1569 wurde ein drittes angrenzendes Haus, das "Rumblische Haus", angekauft. 1631 bestand das Amthaus aus drei zusammengebauten Häusern, die 1723 abbrannten.

Mariatheresianischer Kataster: Karl Kirchberger, Bierbräuer, bestitzt drei zusammengebaute Häuser, einen Garten hinter dem Haus und ein Spatium.

Nach der Brandkatastrophe von 1723 verkaufte Bischof Kaspar Ignaz Graf Künigl die Brandstätte des Amtsgerichtshauses und des bischöflichen Urbaramtes. Der aus Fußstall in Bayern gebürtige Bierbrauer Johann Kirchberger konnte einen größeren Komplex erwerben und eröffnete auf dem Areal eine Brauerei, die nach seinem Tod 1744 sein Sohn Johann Adam übernahm. Dessen Nachfolger wurde Karl Kirchberger, der 1828 starb. Bereits 1816 hatte er die Besitzungen, bestehend aus der ehemaligen Amts-, nun Bierbräubehausung, Bräustatt, Pfanne und Dörre, an seinen Sohn Michael übergeben.

Michael Kirchberger hatte mit seiner Frau Maria Zingerle aus Rasen-Antholz vier Töchter. 1849 überließ er seiner Tochter Anna, die Josef Stemberger heiratete, als Heiratsgut die aus drei Häusern gebildete Bräuereibehausung mit Bad- und Weinschankgerechtigkeit. Nach Josefs Tod 1874 übernahm die Witwe den gesamten Nachlass und führte "Wwe. Anna Stembergers Brauerei" weiter, bis die Söhne Josef, Karl und Anton den Betrieb übernahmen. Anna Stemberger starb 1897, Inhaber der Firma waren danach Josef Stemberger, Gastwirt und Ökonomiebesitzer in Bruneck, Karl Stemberger, k.k. Postmeister und Gasthofbesitzer in Sexten, und Anton Stemberger, Gastwirt und Ökonomiebesitzer in Kiens.

Einquartierungsliste 1886: Nr. 112, Stemberger Anna Bräuhaus, Stadtgasse.

1916 wurde die Brauerei aufgelassen.

Bemerkungen:

Das Haus ist denkmalgeschützt (externer Link zum Monumentbrowser der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol).

Literatur:

Anton Sitzmann, Häuserbuch der Altstadt Bruneck (1780-1964), Diss. phil., Band II, Innsbruck 1965, S. 90f.

Hubert Stemberger, Als Bruneck noch Bier braute, in: Pustertaler Zeitung 2. Jg. (1990), Nr. 25, S. 39-42.

Hubert Stemberger (Hg.), J.N. Tinkhauser's Brunecker Chronik 1834. "Geschichtliche Nachrichten von der k.k. Kreisstadt Bruneck und derselben Umgebung", Bozen 1981, S. 230f.