Gissbach Nr. 1: Ansitz Gissbach, Obergrembsen

 

Grundbuch-Nr.: 47

Frühere Namen:

Der Ansitz Gissbach befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Ansitz Gremsen und gehörte auch zunächst den Besitzern von Gremsen, ist aber sicher älter, was aus dem etwas burgartigen Bau erschlossen werden kann: An der Front zeigt der Ansitz einen Risalit mit geschweiftem Giebel und Glockentürmchen, ein pilastergerahmtes Rundbogenportal, das gemalte Allianzwappen Troyer-Payersberg und einen viereckigen Eckerker.

Bereits 1542 stand hier ein Bauernhaus, wahrscheinlich das Wirtschaftsgebäude des Ansitzes Grembsen, das den Namen "Obergrembsen" trug. Obergrembsen gehörte wahrscheinlich der Familie Grembs, die auch die Untergrembsen-Hube innehatte. In der Mitte des 16. Jahrhunderts ging das Gut an die Troyer über, unter denen das Haus zum Ansitz erhoben wurde. Das jetzige Gebäude geht auf den Umbau von 1542 zurück, den Christoph (I.) Troyer unternahm. 1551 brachte Christoph auch den Ansitz Grembsen in seinen Besitz.

Nach seinem Tod trat der Sohn Christoph (II.) Troyer von Gissbach das Erbe an, danach folgten dessen Söhne Christoph Baltasar und Cyriak (I.) nach, und danach der Sohn des Cyriak (I.), Cyriak (II). Er war kaiserlicher Rat und oö. Regimentskanzler, 1671 wurde er durch Kaiser Leopold I. in den Freiherrenstand mit dem Attribut "von Troyer zu Gissbach und Strassfried Freiherren von Troyenstein" erhoben.

Franz Anton von Troyer folgte seinem Vater im Erbe nach, 1696 wurde ihm durch den Kaiser der Burgfrieden Gissbach mit der niederen Gerichtsbarkeit und den dazugehörigen Rechten verliehen. 1697 wurde der Burgfrieden ausgemarkt, d.h. vom Landgericht St. Michaelsburg abgetrennt. Die Schwerverbrecher, die in diesem Gerichtsbezirk verhaftet wurden, wurden jedoch weiterhin an das Landgericht St. Michaelsburg ausgeliefert, da der Burgfrieden Gissbach weiterhin jenem Gericht "schubmäßig" zugeordnet war. Als Gerichtsherren der benachbarten Herrschaft Uttenheim übertrugen die Troyer die Gerichtsverwaltung des Burgfriedens Gissbach an die Richter des Gerichtes Uttenheim, das wiederum in einem Schubverhältnis zum Landgericht Sand in Taufers stand. 1697 wurde Franz Anton von Troyer durch den Kaiser in den Grafenstand erhoben.

Sein Sohn Cyriak Secundus Graf Troyer trat 1712 das väterliche Erbe an, und danach sein Bruder Christoph Evarist Graf Troyer, der allerdings in Mähren wohnte. Die Ansitze Gissbach und Grembsen wurden deshalb von einem Troyerischen Bestandsmann bewohnt und bearbeitet. 1778 starb im Schloss Josef Cyriak Edler von Danauer als Bestandsmann; 1792 war Georg Tinkhauser Bestandsinhaber des Schlosses Gissbach. 1799 wohnte im Schloss Sebastian Mayr unter der Eggen, Troyerischer Bestandsmann der Ansitze Gissbach und Grembsen.

1789 wurde Ferdinand Graf Troyer, Sohn des Christoph Evarist, mit dem Schloss belehnt. Auf ihn folgte Johann als ältester Sohn nach Erreichung der Großjährigkeit. 1814 kaufte Dr. Franz Stiffler die Ansitze Gissbach und Grembsen, in dieser Zeit wohnten im Ansitz fünf Familien mit bis zu 17 Familienmitgliedern. 1859 kaufte Andrä Harrasser den Ansitz Gissbach und verkaufte die Realitäten an Maria Wierer Witwe Messner wiederverheiratete Gatterer weiter, die sie 1862 an ihren Sohn Anton Mesner weitergab. Für den Ansitz bürgerte sich jetzt die Bezeichnung "Herrenhaus" ein.

Der Burgfrieden Gissbach war 1810 infolge der Aufhebung der Patrimonialgerichte als eigene Gemeinde an das Landgericht Taufers gekommen, 1829 war die Gemeinde Gissbach an das Landgericht Bruneck gewiesen worden.

1876 wurde der Ansitz an Andrä und Anna Kofler geborene Piffrader verkauft, 1883 an Margareth Piffrader Witwe Messner, und 1902 ging das Gut an deren Sohn Josef über. 1908 kaufte Johann Rudiferia, Kunstmaler in St. Lorenzen, den Ansitz. 1918 ging der Besitz an Rudolf und Julia Heim über, und letztere, Gräfin Attems zu Petzenstein, wurde 1921 Alleinbesitzerin. Sie baute den Ansitz zu einem Beherbergungsbetrieb aus.

Bemerkungen:

Zum Ansitz Gissbach und Grembsen gehörten die Baurechte des Stainerhofes, genannt Hueber. Weiters besaßen die Troyer das Feuerschwenthaus, genannt Schuster-Lehen, das Mühllechengut, eine Hofstatt am Anger, das sogenannte Förberhaus, das nicht mehr existiert.

Der Ansitz steht unter Denkmalschutz (externer Link zum Monumentbrowser der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol).

Literatur:

Alois Dissertori (Hg.), Schlösser, Ansitze und Schulen in der Stadtgemeinde Bruneck, Innsbruck 2005.

Michael Mitterhofer (Hg.), St. Georgen an der Ahr im Spiegel seiner Geschichte, St. Georgen 1985, 204-206.

Claudia Plaikner, Die Ansitze im Raum Bruneck, Diss. phil., Innsbruck 1994, Band I, S. 432-457.

Georg Markus Schraffl, Aus der Chronik von St. Georgen, Brixen o.J.

Josef Weingartner / Magdalena Hörmann-Weingartner, Die Burgen Tirols. Ein Burgenführer durch Nord-, Ost- und Südtirol. 3. Auflage, Innsbruck u.a. 1981.

Josef Weingartner, Die Kunstdenkmäler Südtirols. Band 1: Eisacktal, Pustertal, Ladinien, Bozen 1985.