Gissbachstraße Nr. 17: Ansitz Mörl

 

Frühere Namen:

Der sogenannte Ansitz Mörl leitet seinen Namen von den langjährigen Inhabern, den Edlen Mörl von Pfalzen zu Mühlen und Sichelburg, her. Er besteht aus zwei verschieden alten Bauteilen, wobei die westliche Hälfte wohl der ursprüngliche Bauernhof war und die östliche Hälfte erst im späten 16. Jahrhundert hinzugefügt wurde.

Michael und Georg Mörl wurden 1514 in die Tiroler Adelsmatrikel aufgenommen. Michaels Enkel Balthasar Mörl von Mühlen und Sichelburg war ab 1568 in St. Georgen ansässig, 1585 scheint er als Inhaber des Steinergutes (d.h. des Ansitzes Mörl) in St. Georgen auf. Sein Erbe übernahm der Sohn Hans Christoph Mörl von Mühlen und Sichelburg, der Viertelhauptmann im Puster- und Eisacktal war. Sein Sohn Michael trat nach ihm das väterliche Erbe an (1672), und nach seinem Tod setzte Johann Franz Mörl von Mühlen und Sichelburg die Linie in St. Georgen fort. Auf ihn folgte Franz Christoph Mörl und auf diesen Johann Balthasar, der im Mariatheresianischen Kataster als Inhaber des Steiner- bzw. Mörl-Anwesens genannt ist. Laut Kataster gehörten zum Mörlhof die Peterleinshube / Käserhube (Christelrumer), die Feuer- und Futterbehausung (heute beim Zoller), sowie eine Feuerbehausung "beim Flätsch".

Johann Balthasar hatte zwölf Kinder, die allesamt in St. Georgen zur Welt kamen. Sein Sohn Johann Josef trat nach seinem Tod das Erbe in St. Georgen an, und nach ihm erbte sein Bruder Kaspar Ignaz Leopold Mörl von Mühlen und Sichelburg. Dieser zog aber nach Niederösterreich, weshalb er das Mörlgut 1805 an Jakob Tinkhauser, Bäck-Wirt zu Gissbach, verkaufte. Dieser meldete Konkurs an und die Steinerhube wurde von den Eheleuten Bartholomäus Tinkhauser und Maria Theresia von Mörl ersteigert. Maria wurde 1814 Alleinbesitzerin des Mörlgutes.

1820 verkaufte Maria Theresia von Mörl Witwe Tinkhauser ihrem Schwiegersohn Johann Mairvongrassstein und ihrer Tochter Maria Tinkhauser alle Realitäten. Nach dem Tod Johanns erbten die Witwe und die Tochter. Letztere, Maria Josefa Mairvongrassstein, heiratete 1851 Anton Piffrader, den Sohn des Diktlbauern in Stegen. Im Ansitz Mörl lebten in dieser Zeit neun bis zehn Familien.

1863 wurden das Mörl-Anwesen, der Wald und zwei Grundstücke öffentlich versteigert und gingen an Andrä Mairvongrassstein über.

Erklärung des Namens von Egon Kühebacher:

Mörl ist eine Koseform von Mohr, der Mohr scheint im Wappen dieser Adeligen auf.

Bemerkungen:

Der Hof ist denkmalgeschützt (externer Link zum Monumentbrowser der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol).

Literatur:

Michael Mitterhofer (Hg.), St. Georgen an der Ahr im Spiegel seiner Geschichte. Dorfbuch, St. Georgen 1985, 217-220.

Claudia Plaikner, Die Ansitze im Raum Bruneck, Diss. phil., Innsbruck 1994, Band I, S. 487-505.