Stegener Straße Nr. 36: Sogenannter Ansitz Steegen

Adresse: Frühere Hausnummern: 178, 179, 192, 193. Tinkhauser führt 175 und 176 an.

Grundbuch-Nr.: 292, 293

Frühere Namen:

Ursprünglich saßen die Jöchl auf dem sogenannten Ansitz Steegen. Erstmals begegnet 1269 Gerold von Stegen, der als Stammvater der Jöchl gilt (Paul Tschurtschenthaler erwähnt Freidank von Stegen, der das Haus bereits 1256 zu einem Spital gewidmet habe). 1357 scheint erstmals Niclaus der Jöchel von alten Stegen auf, 1383 sogar als Bürger zu Praunnegk (Bruneck). Er stirbt 1385 in Bruneck und liegt hier begraben. Balthasar Jöchl ist 1485 Oberamtspfleger in Bruneck, Wolfgang Jöchl, ein Nachkomme der Brixner-Vahrner Linie, ist 1515 in Bruneck nachweisbar. Dessen Bruder Hans Jöchl von Vahrn hat zeitweilig die Angerburg in Reischach sowie die Steinburg in Aufhofen inne. Die Jöchl sterben um ca. 1550 aus.

1556 (Tschurtschenthaler: 1555) errichtet Hieronymus Krafter von Augsburg mit fürstbischöflicher Erlaubnis beim Ansitz Steegen an der Stelle einer Schmiede eine Messingfabrik, die 80 Mitarbeiter beschäftigt; die Bezeichnungen "in den Messinghütten" und "Schmelzhütte" werden gebräuchlich. 1593 (Tschurtschenthaler: 1595) wird die Hütte der Stadt Bruneck unentgeltlich überlassen und von da an wird das Gebäude vermutlich je nach Bedarf als Unterkunft für Inwohner und Bestandsleute, als Lazarett und "Siechenhaus" verwendet.

Seit 1669 sind die Pock zuerst als Bestandsleute und ab 1700 als Inhaber von Steegen nachweisbar. Jakob Pock ist Inwohner und Färber zu Bruneck, der sich einen Stock auf der Schmelzhütte kauft und "auf den Messinghütten" wohnt. Er bringt es zu einem gewissen Wohlstand und übernimmt 1700 die Behausung an der Stelle der ehemaligen Schmelzhütte mit Wiese und Pulverstampf vom Bürgermeister und Stadtrat der Stadt Bruneck. Nach seinem Tod fällt das Erbe zunächst an die Tochter, nach deren Tod aber an seine Schwester Katharina Schweighofer geborene Pock, mit der die Linie der Pock auf Steegen endet.

Katharina ist mit dem Färber Daniel Schweighofer aus Brixen verheiratet. Dieser wird als Inwohner in Bruneck aufgenommen, die Ausübung seines Handwerks wird ihm gestattet. 1722 wird Schweighofer Bürger der Stadt, 1727 gehört er dem Stadtrat an, 1729-1731 ist er Bürgermeister. Nach seinem Tod erbt der Sohn Anton Karl die zwei Behausungen an der Rienz, darunter auch "die Behausung bei Rienzbach, wo die Schmelzhütte war, [...] zu Pestzeiten als Lazarett zu verwenden". Auch Anton Karl hat das Bürgermeisteramt inne (1751/52, 1774/75). Nach seinem Tod übernimmt sein ältester Sohn Anton Jakob Schweighofer, Färbermeister, alle Realitäten. Dieser stirbt 1809 und sein älterer Bruder Josef Sebastian, der ebenfalls Bürgermeister von Bruneck ist, tritt das Erbe an.

Sein Universalerbe ist der Sohn Josef Jakob Schweighofer, der sich auch als Armenvater betätigt. 1883, nach seinem Tod, erbt sein Sohn Karl alle Realitäten und das Vermögen.

Bemerkungen:

Der Ansitz ist denkmalgeschützt (externer Link zum Monumentbrowser der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol).

Literatur:

Claudia Plaikner, Die Ansitze im Raum Bruneck, Diss. phil., Innsbruck 1994, Band I, S. 506-534. Paul Tschurtschenthaler, Brunecker Heimatbuch, Bozen 1928, 61.

Hubert Stemberger (Hg.), J.N. Tinkhauser's Brunecker Chronik 1834. "Geschichtliche Nachrichten von der k.k. Kreisstadt Bruneck und derselben Umgebung", Bozen 1981, S. 234f.