Gilmplatz

Gilmplatz

Akt:

Mit Gemeinderatsbeschluss Nr. 157 vom 6. August 1992 wurde der Name zu Gilmplatz richtiggestellt.

Vormals Enzenbergplatz. Für 1858 ist die Bezeichnung Marktplatz belegt (Katasterplan).

Herkunft/Erklärung/historische Belege:

Der Platz ist nach dem Dichter Hermann Rudolf von Gilm zu Rosenegg (1812-1864) benannt.

Geboren ist Gilm am 1. November 1812 in Innsbruck, wo sein Vater, Johann Nepomuk von Gilm, Rat beim Appellationsgericht war. Hermann stammte, zusammen mit seiner Schwester Katharina und seinem Bruder Ferdinand, aus der ersten Ehe seines Vaters mit Maria Luise Rederer aus Feldkirch. Nach dem Tod von Hermanns Mutter heiratete sein Vater erneut und setzte weitere zwölf Kinder in die Welt. Nach seinem Abitur studierte Hermann Rechtswissenschaften und wurde 1840 Staatsbeamter in Schwaz. Im Dezember 1842 wurde er an das Kreisgericht nach Bruneck versetzt, wo er einige Jahre blieb.

Von 1843 bis 1845 wohnte er im Haus Nr. 63 der Stadtgasse, dem Kirchbergerhaus, was dort auch auf einer Gedenktafel zu lesen ist. Gilm fand Anschluss im seit 1829 bestehenden "Verein zum geselligen Vergnügen", der bald schon nur mehr "Kasino" genannt wurde und sich im Saal des Gasthauses "Zum Goldenen Stern" des Joseph Told traf; hier trug Gilm viele seiner Gedichte, Sonette und Lieder vor. In Bruneck hatte er seine intensivste Schaffensperiode, er begann hier auch, kritisch-oppositionelle Texte zu verfassen und wandte sich gegen die Zensur und gegen die Jesuiten, die für ihn den Inbegriff des Konservatismus darstellten. Er scharte das Brunecker Bürgertum und einen Teil des Adels um sich, und wurde als charmanter Plauderer, Schauspieler und Rezitator seiner eigenen Gedichte zum Mittelpunkt des Gesellschaftslebens.

1845 schrieb Gilm seine "Schartllieder" in Bad Schartl. Auch drei seiner Geschwister verschlug es nach Bruneck und Umgebung: Seine Schwester Josefa ging als Schwester Maria Aloisia zu den Ursulinen und verließ das Kloster dort bis zu ihrem Tode nicht mehr, ab 1855 war sie Oberin der Ursulinen. Sie erteilte Unterricht in der deutschen und französischen Sprache und wurde Institutspräfektin; im Juni 1891 starb sie in Bruneck. Hermanns Bruder Ferdinand wurde im Februar 1845 als Richter von Bregenz nach Bruneck versetzt und stand dem neugegründeten Brunecker Bezirksgericht vor. Er war auch 1857 Mitbegründer der städtischen Sparkasse, bevor er nach Feldkirch übersiedelte. Sein Bruder Albert wurde Bezirksrichter von Welsberg, nachdem er Richter in Bruneck gewesen war. In Bruneck herrschte beinahe ein Gilm-Kult vor, da Albert bei den allwöchentlichen Versammlungen der Brunecker Beamten- und Bürgerfamilien häufig Dichtungen von Hermann vortragen musste.

Nach dem Aufenthalt in Bruneck wurde Hermann von Gilm im Oktober 1845 nach Rovereto versetzt und kam 1848 nach Wien, wo er als Hofkanzleipraktikant arbeitete, bevor es ihn 1849 nach Lienz verschlug, wo er am 31. Mai 1864 starb. Gilms Lyrik umfasst Natur- und Liebeslieder im Volkston sowie scharfe, antiklerikale Jesuitenlieder. Einige Titel seiner Werke sind: "Jesuitenlieder", "Schützenlieder", "Stell auf den Tisch die duftenden Reseden", "Die Georgine", "Märzenveilchen", "Allerseelen", die "Sophienlieder" und die "Schartllieder".

Quellen:

Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden. Neunzehnte, völlig neu bearbeitete Auflage. Achter Band FRU-GOS, Mannheim 1988. Alois Duregger, Bruneck und seine bedeutendsten Söhne (An der Etsch und im Gebirge 30), Brixen 1980. Stefan Lechner (Hg.), Der lange Weg in die Moderne. Geschichte der Stadt Bruneck 1800-2006, Innsbruck 2006. Hubert Stemberger, Brunecker Buch. Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Stadterhebung. Zweite Auflage, durch zahlreiche Abbildungen, Literaturhinweise, eine Zeittafel und ein Register ergänzt von Alois Dissertori (Schlern-Schriften 152), Innsbruck 2003. Ders., Bruneck und Umgebung (Südtiroler Gebietsführer 7), Bozen 1988. Eduard Widmoser, Südtirol A-Z. Band 2: G-Ko, Innsbruck/München 1982.

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