Paul-Tschurtschenthaler-Park

Akt:

Der Platz vor dem Ursulinenkloster wurde im Jahr 1945 im Rahmen eines feierlichen Festabends, der Paul Tschurtschenthaler gewidmet war, nach ihm benannt. Damals legte man sich auf den Namen "Tschurtschenthaler-Park" fest.

Herkunft/Erklärung/historische Belege:

Der Park ist nach dem Juristen, Heimatforscher und Dichter Paul Tschurtschenthaler (1874-1941) benannt.

Tschurtschenthaler wurde am 2. Juli 1874 im Tschurtschenthalerhaus (Stadtgasse Nr. 39) in Bruneck geboren. Er war eigentlich Jurist und als solcher zunächst Bezirksrichter im Sarntal und später Landesgerichtsrat am Bezirksgericht Bozen. Als "Grundbuchanlegungs-Kommissär" wirkte er in mehreren Orten Tirols und kam im ganzen Land herum. Bei seinen Aufenthalten studierte er Sitten und Bräuche und konsultierte Akten und Bücher, sodass er sich im Lauf der Jahre ein beachtliches Wissen auf allen Gebieten des bäuerlich-kulturellen Lebens aneignete, das er in seinen zahlreichen Veröffentlichungen verarbeitete. Er schrieb Wanderbücher und Heimatgeschichten, über Almabtriebe im Pustertal, vom Bauernjahr und der Tracht im Sarntal, von seiner Bergkanzlei als Grundbuchschreiber, aber auch über Kleinstadtbräuche in Bruneck, den Lorenzimarkt und den Gewerbebetrieb bzw. das Spielwesen vor der Rainkirche. Außerdem baute er das kommunale Museum in Bruneck auf und leitete eine Zeit lang nebenberuflich den schöngeistigen Teil der Heimatschrift "Der Schlern".

Durch die Option verließ er 1940 das "Alto Adige" und ließ sich am Bodensee nieder. Er starb am 19. Dezember 1941 in Bregenz. Einige seiner Schriften sind: "Saitengold und Lieder", "Auf Wanderungen", "Bozner Landschaften", "Bergluft", "Beim Waldbrunnen", "Über den Ritten", "Das Christkindl auf Reisen", "Südtiroler Wanderbilder", "Die Abfahrt von der Alm im Pustertal", "Aus den Aufzeichnungen eines Stadtschreibers von Bruneck", "Brunecker Heimatbuch", "Das Ahrntal", "Das Bauernleben im Pustertal", "Die Tschurtschenthaler, ein altes Bauerngeschlecht und seine Entwicklung".

Besonders wichtig ist Tschurtschenthaler jedoch für ein zeitgeschichtliches Dokument: In seiner "Brunecker Chronik" verzeichnete er akribisch alle Vorkommnisse und Veränderungen in der Kleinstadt; es sind tagebuchartige Aufzeichnungen, die er von September 1935 bis 1939 regelmäßig führte und die deshalb ein Schlüsseldokument Südtiroler Zeitgeschichte sind. Erst viele Jahre nach seinem Tod wurde die "Chronik" wiederentdeckt und 2000 als Buch veröffentlicht.

Siehe auch: Paul Tschurtschenthaler.

Quellen:

Alois Duregger, Bruneck und seine bedeutendsten Söhne (An der Etsch und im Gebirge 30), Brixen 1980. Stefan Lechner (Hg.), Der lange Weg in die Moderne. Geschichte der Stadt Bruneck 1800-2006, Innsbruck 2006. Hubert Stemberger, Brunecker Buch. Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Stadterhebung. Schlern-Schriften 152, 2. Auflage, Innsbruck 2003. Eduard Widmoser, Südtirol A-Z. Band 1: A-F, Innsbruck/München 1982.

Karte: