Der Kronplatz

Der Brunecker Hausberg ist heute eines der am meisten frequentierten Skigebiete in Südtirol. 


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Kronplatz-Panorama. Foto: Luca Lorenzi.

Geologisch ist der Berg aus Brixner Quarzphyllit aufgebaut, an der Furkel tritt jedoch bereits Grödner Sandstein auf, und oberhalb der Furkel, am Piz da Peres, trifft man auf Werfener Schichten, Muschelkalk und Schlerndolomit.

Der Kronplatz befindet sich auf der ladinisch/deutschen Sprachgrenze, der ladinische Name lautet „Plan de curunes“ (italienischer Name: „Plan de Corones“). Um 1410 wurde der Berg noch mit dem Namen „Stöllung“ erwähnt, im Jahr 1474 wurde das dem Gipfel vorgelagerte „Hünerspyl (Plonez)“ erwähnt, 1485 das „Hünerspiel waldl“, um 1557 erstmals die alte Bezeichnung „Spizhörnle“. 1780 wurde er als „Plan de corones oder Schlichte“ benannt, 1831 erstmals als „Kronplatz“, um 1849 immer noch als „Hörnle oder Kronplatz (Planta coronis)“. Die alte Bezeichnung „Spitzhörnle“, eigentlich die Spitze im Osten des Plateaus, findet sich heute nur noch als Name einer Skipiste, ist aber als alter Name des Berges unbekannt. Der Sage nach soll hier auf dem Kronplatz die sagenumwobene Prinzessin Dolasila, Herrscherin im Reich der Fanes, gekrönt worden sein.

Wann das erste Schutzhaus am Kronplatz erbaut wurde, lässt sich nicht mehr feststellen: jedenfalls wird bereits 1880 ein Jakob Thaler genannt, der im Sommer Wirt am Kronplatz war. Die Brunecker Alpenvereinssektion begann dann im Jahr 1892 mit der Realisierung einer schon seit längerem geplanten Hütte auf 2.253m, die schließlich am 12. August 1895 mit 800 Anwesenden eingeweiht wurde und der 1912 der Name „Major-Platter-Haus“ gegeben wurde. In den ersten Jahren des 19. Jahrhundert wurde auf dem Gipfel des Kronplatzes eine Aussichtskanzel errichtet, Pläne für eine skitouristische Erschließung des Kronplatzes wurden geschmiedet. Der aufkeimende Tourismus erfuhr jedoch durch den Ersten Weltkrieg und die anschließenden strengen Einreisebestimmungen eine erste Zäsur.

SONY DSC1923 wurde der Alpenverein dann durch die neue Staatsmacht aufgelöst, seine Hütten wurden enteignet und dem Club Alpino Italiano übertragen. Aus dem Major-Platter-Haus am Kronplatz wurde ein „Rifugio CAI“. Erst 1947 wurde die Sektion Bruneck des Südtiroler Alpenvereins wiedergegründet. In den 50er Jahren kam der Skisport immer mehr in Mode, sodass eine Gruppe tatkräftiger Bürger im Mai 1960 die „Kronplatz Seilbahn AG“ gründete, die sich den Bau einer Seilbahn ab Bruneck als Ziel setzte, um den Gipfel für den Wintersport zu erschließen. Grundstücke für Parkplätze, Tal-, Mittel- und Bergstationen wurden angekauft, und nach Planungsarbeiten und behördlichen Genehmigungsverfahren wurden ab September 1961 Aufträge für einzelne Bauabschnitte vergeben. Im November 1963 konnte die neue Seilbahn zum ersten Mal probegefahren werden; am ersten Weihnachtstag desselben Jahres wurde sie eröffnet. Gleichzeitig wurde auch ein Schlepplift im Gipfelbereich am Südhang in Betrieb genommen. Die Brunecker Seilbahn wurde am 20. September 1964 offiziell eingeweiht; in den darauffolgenden Jahren wurden auch von der St. Vigiler und der Olanger Seite Liftanlagen errichtet. Seit 1973 führt der Kronplatz ein eigenes Markenzeichen, den „Kronplatzgockel“, seit 1974 sind die einzelnen Betreibergesellschaften im Dachverband „Skirama Kronplatz“ zusammengefasst und es wurde ein einheitliches Skipass-System eingeführt, das ein Gemeindegrenzen überschreitendes Skivergnügen ermöglichte. Heute zählt der Brunecker Hausberg zu den bedeutendsten Wintersportzentren in Südtirol.

Das Wort „Kronplatz“ ist eine lautliche Angleichung an das ladinische „Plang de Curunes“. „curunes“ sind Berggeister, „plang“ stammt aus dem lateinischen „planus“, das „eben“ bedeutet. Der Name bedeutet also hier „waldfreie Fläche“ oder vielleicht „Tanzplatz der Berggeister“.

Siehe auch: Seilbahnstraße.


Literatur:

Raimund Grießmair, Reischach. Aus der Geschichte eines Dorfes, Bruneck 2007. Egon Kühebacher, Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte, Band 3: Die geschichtlich gewachsenen Namen der Gebirgszüge, Gipfelgruppen und Einzelgipfel Südtirols. Gesamtregister, Bozen 2000. Stefan Lechner (Hg.), Der lange Weg in die Moderne. Geschichte der Stadt Bruneck 1800-2006, Innsbruck 2006. Nina Schröder, Bruneck kompakt. Die Stadt auf einen Blick. Sehenswertes, Gastlichkeit, Kultur, Wien/Bozen 2003. Eduard Widmoser, Südtirol A-Z. Band 3: Kr-N, Innsbruck/München 1988.