Eiskeller und Bierkeller

Sogenannte Eiskeller dienten vor dem Aufkommen von Kältemaschinen am Ende des 19. Jahrhunderts zum Aufbewahren von Natureis und zum Kühlen von Speisen und Getränken. Es gab ganz und teilweise unterirdische Eiskeller, die gegen Süden gegen die Wärme abgeschirmt waren. Aus den Katasterplänen von Bruneck aus dem 19. Jahrhunderts lässt sich ablesen, dass es am Schloss- und Rainweg Hohlräume im Berg gibt, bei denen es sich wohl um Eiskeller handelte, die sich entweder in privatem oder öffentlichem Besitz befanden. In einem Vermögens-Inventar der Stadtgemeinde Bruneck aus dem 1852 ist ein Eiskeller aufgeführt, der offenbar zu den stadteigenen Immobilien gehörte.[1]

Bei den Überresten am Schlossberg ist in einem Fall ist ein Mauerrest, in einem anderen ein Steinportal erhalten. Reste eines weiteren Eiskellers, der im Kataster nicht verzeichnet ist, sind am Schlossberg oberhalb der „Gänseliesl“ zu sehen. Dort gab es vor einigen Jahrzehnten noch einen Pavillon, an dem in geselliger Runde getrunken wurde (siehe Foto). Unweit des Seeböckhauses öffnet sich zudem noch heute ein Stollen, der unter dem Schlossberg hindurch führt. Aus welcher Zeit dieser Gang stammt und ob er auch (teilweise) als Eiskeller gedient hat, ist unbekannt.

Dass es sich zumindest bei dem Mauerrest hinter dem „Goldschmiedhaus“ um die Überreste eines Eiskellers handelt, geht aus einem Dokument im Stadtarchiv eindeutig hervor:

Johann Gfader, gewesener Stadtmetzger in Bruneck, errichtete 1828 auf dem städtischen Grund am „Schloßfahrweg“ auf seine Kosten einen Eiskeller. 1836 kaufte ihm die Stadtgemeinde den Keller ab, der „hinter dem Hause des Goldschmids im Schloßberge selbst erbaut“ war.

Der Bierkeller am Bierkellerweg in Bruneck.

Eine Sonderform des Eiskellers war der Bierkeller, der zur Einlagerung von Bier diente. Hier wurde zwischen Gär- und Lagerkellern unterschieden, die kühlen Temperaturen wurden also nicht nur für die Einlagerung des fertigen Bieres, sondern auch für dessen Gärung benötigt. In Bruneck gibt es einen gut erhaltenen Bierkeller, dessen Geschichte im Rahmen eines Projektes im Jahr 2006 aufgearbeitet wurde. Der Keller wurde, wie Johann Nepomuk Tinkhauser berichtet, in den Jahren um 1825 vom Bierbrauer Michael Kirchberger „unter der Mühle am Oberbachl“ im Inneren der sogenannten „Eidechsspitze“ in der damals übrigen Form gebaut, um einen idealen Luftzug durch den Berg in den Keller zu erreichen.[2] Einen zweiten Bierkeller, der keinerlei Spuren hinterlassen hat, gab es am sogenannten „Kresswasserl“ am Ende des Weges nach Waldheim.


[1] Vermögens-Inventar der landesfürstlichen Stadt Bruneck nach dem Schlusse der Rechnung für das Verwaltungsjahr 1852. Stadtarchiv Bruneck, Magistratsakten 1852 (Bozner Bestand, Serie V, Nr. 40).
[2] Hubert Stemberger (Bearb.), J.N. Tinkhauser’s Brunecker Chronik 1834. „Geschichtliche Nachrichten von der k.k. Kreisstadt Bruneck und derselben Umgebung“, Bozen 1981, S. 183.


Weiterführende Literatur:

  • Initiative Bierkeller, Stadtbibliothek und Stadtarchiv Bruneck (Hg.), Der Bierkeller. Raum für Geschichten, Bruneck [2006].

Alle Abbildungen © Stadtarchiv Bruneck.