Ansitz Ragen, Ragenhaus

Adresse: Paul-von-Sternbach-Straße 3, 3A, Bruneck.

Frühere Namen:

Mariatheresianischer Kataster: Herr Johann von Wenzl besitzt den Ansitz Ragen, einen Garten und ein Spatium.

Der Ursprung der Bezeichnung "Ragen" ist bis heute nicht geklärt, im Bereich des heutigen Stadtteils Oberragen ("Oberdorf") ist aber die Keimzelle der Stadt Bruneck zu suchen. Im 12. Jahrhundert gab es dort mehrere Mairhöfe, unter anderem einen Besitzer namens Alram, Mair an der Kirche. Bei seinem Geschlecht handelte es sich um Dienstleute des Brixner Bischofs, d.h. Ministeriale des Hochstiftes Brixen. Beim Ragenhaus handelte es sich um einen Küchenmaierhof, d.h. der jeweilige Besitzer hatte für die Tafel der Hofhaltung in Brixen zu sorgen.

Jakob (II.) Kirchmair war Ratsbürger und 1376 Kirchpropst der Liebfrauenkirche und des Spitals in Bruneck. Sein Sohn Simon (II.) Kirchmayr heiratete Barbara von Stuck, vielleicht eine Tochter des reichen Brunecker Bürgers Heinrich Stuck, der 1358 das Stadtspital gegründet hatte. Jakob (III.) Kirchmayr scheint 1450 als Bürgermeister der Stadt auf. Christian (I.) Kirchmayr wohnte um 1500 im Ragenhaus. Einer seiner Söhne, Georg (I.), war in der Zeit der Bauernaufstände Amtmann und Hofrichter des Augustiner Chorherrenstiftes Neustift.

1556 wurde das Ragenhaus zum Ansitz erhoben, 1558 wurden die Kirchmair in den Adelsstand erhoben. 1560 wurde ihnen Burg und Burgfrieden Lamprechtsburg zu adeligem Schildlehen verliehen.

1674 verkauften Philipp Jakob Kirchmair und seine Frau Maria Monika von Kiepach den Ansitz Ragen an Stefan (III.) von Wenzl, der 1664 in den Adelsstand erhoben wurde. Den Ansitz baute er aus und gab ihm die heutige Form im Renaissancestil.

1808 ging der luteigene Ansitz Ragen in den Besitz des Josef Alexander Freiherrn von Sternbach über. 1820 wurde das Gebäude restauriert, 1850 wurden die fünf Söhne des Christoph von Klebelsberg Besitzer. Einige Räume wurden an das Kreisamt im Pustertal und am Eisack vermietet, das 1815 im Ansitz einzog. Dr. Karl von Klebelsberg wurde 1850 Alleineigentümer.

Karl von Klebelsberg verkaufte 1851 den Ansitz an die Stadtgemeinde Bruneck zur Unterbringung der Ortsschule und der Kleinkinderwartanstalt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Ragenhaus als "Schulhauskaserne" benutzt, aber auch sozial minderbemittelten Mieter*innen als Unterkunft zur Verfügung gestellt.

Ab 1982 wurde das Ragenhaus restauriert und als Standort der Musikschule adaptiert, 2016/17 folgte eine neuerliche Sanierung und Restaurierung.

Bemerkungen:

Das Gebäude ist denkmalgeschützt (externer Link zum Monumentbrowser der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol).

Literatur:

Claudia Plaikner, Die Ansitze im Raum Bruneck, Diss. phil., Innsbruck 1994, Band I, S. 107-135. Anton Sitzmann, Häuserbuch der Altstadt Bruneck (1780-1964), Diss. phil., Band II, Innsbruck 1965, S. 381f. Hubert Stemberger, Die ältesten Häuser der Stadt, in: Pustertaler Zeitung, 2. Jg., Nr. 5, S. 19, und Nr. 6, S. 31.

Helmut Stampfer, Ragenhaus - Bruneck/Casa Ragen - Brunico, in: Patrimonio architettonico in Tirolo, Alto Adige e Trentino. Restauri recenti/Baudenkmäler in Tirol, Südtirol und im Trentino. Restaurierungen der letzten Jahre. Museum für moderne Kunst Bozen/Museo d'arte moderna Bolzano 22.9.-10.10.1988, Bozen 1988, 103-107.