Das Stadtwappen

Wie viele andere Städte hat auch die Stadtgemeinde Bruneck ein „sprechendes“ Wappen. Es zeigt „in silber/weißem Schild auf grünem Dreiberg einen roten gezinnten Torturm mit aufgezogenem silber/weißem Fallgitter vor schwarzem Innenraum sowie mit einem schmäleren, ebenfalls gezinnten, roten Obergeschoss.“[1] Das Wappen erinnert somit eventuell an die durch den Brixner Bischof Bruno von Kirchberg und Wullenstätten/Bullenstätten (1248-1288) errichtete Burg Bruneck. Allerdings war es im Mittelalter  üblich, dass ein befestigter Turm nicht nur für eine Burg, sondern auch für eine ganze Stadt als Ort stehen konnte, der (im Gegensatz zu einer ländlichen Siedlung) mit Stadttoren und einer -mauer befestigt war. Hubert Stemberger war demnach wie auch Paul Tschurtschenthaler der Meinung, dass das Brunecker Stadtwappen nicht die Schloss Bruneck, sondern den heutigen Turm der Ursulinenkirche zeigt, der ursprünglich ein befestigter Stadtturm (mit Wehrgang) war.

Darstellungen des Stadtwappens auf unterschiedlichen Bildträgern und in unterschiedlichen Epochen (von links oben): Siegel auf rotem Wachs an einer Urkunde aus dem Jahr 1356, Rienztor gegen Nordwesten, Ursulinentor gegen Westen, „Gesundheitspass“ („Fedi“) von 1636, Papiersiegel an einem Dokument aus dem 18. Jahrhundert, Stempel auf einem Schreiben aus dem Jahr 1893, Brunnen am Graben (errichtet 1915).

Anhand der Siegel an den historischen Pergamenturkunden der Stadt, die im Stadtarchiv verwahrt sind, kann das Wappen ab dem Jahr 1356 nachgewiesen werden. Farbig dargestellt findet es sich in einer Handschrift des 15. Jahrhunderts, die sich heute in der Bibliothek des Ferdinandeums in Innsbruck befindet. 1931 wurde das Wappen bei der sogenannten „Consulta araldica“ registriert.

Haus Stadtgasse Nr. 42, ehemals Rathaus der Stadt.

Am 3. Mai 1984 beschloss der Brunecker Gemeinderat, Wappen und städtisches Banner, die der Stadt 1931 bzw. 1934 verliehen worden waren, zu aktualisieren. Dr. Hubert Stemberger hatte in einem Gutachten festgestellt, dass das Wappen nicht gänzlich den heraldischen Erfordernissen entsprach. Deshalb wurde 1984 das heutige Stadtwappen eingeführt, das sich an der historischen Darstellung in der Handschrift des Ferdinandeums orientiert.[2] Das historische Banner, das inzwischen seine Funktion als Repräsentationszeichen der Stadt verloren hat, befindet sich heute im historischen Archiv der Stadt und ist in der Vitrine im ersten Untergeschoss der „LibriKa“ ausgestellt.

An der Fassade eines der Brunecker Rathäuser, jenes an der Südseite der Stadtgasse, ist bis heute das Stadtwappen zu sehen. Darüber hinaus ist es an allen vier Stadttoren aufgemalt, wobei die Malereien sehr unterschiedlich sind und aus verschiedenen Epochen stammen. An zahlreichen anderen Orten der Stadtgemeinde ist das Brunecker Stadtwappen ebenfalls zu entdecken.


[1] Franz-Heinz von Hye, Südtiroler Gemeindewappen. Entstehung – Begründung – Geschichte, Bozen 2005, S. 234.
[2] Gemeinderatsbeschluss Nr. 45 vom 3. Mai 1984. Dem Beschluss ist unter anderem eine Beschreibung des Wappens von Hubert Stemberger beigelegt.


Literatur:

  • Franz-Heinz von Hye, Wappen in Tirol – Zeugen der Geschichte. Handbuch der Tiroler Heraldik (Schlern-Schriften 321), Innsbruck 2004, S. 139.
  • Hans Prünster, Die Wappen der Gemeinden Südtirols, Bozen 1972, S. 36-37.

Alle Fotos: © Stadtarchiv Bruneck.