Oswald-von-Wolkenstein-Straße

Akt:

Die Straße wurde mit Gemeinderatsbeschluss Nr. 163 vom 6. November 1966 benannt, eine Änderung von Oswald von Wolkensteinstraße zu Oswald-von-Wolkenstein-Straße erfolgte mit Gemeinderatsbeschluss Nr. 157 vom 6. August 1992.

Herkunft:

Die Straße ist nach dem Minnesänger, Dichter, Komponisten und Politiker Oswald von Wolkenstein (um 1377-1445) benannt.

Oswald wurde um 1377 vermutlich auf Schloss Schöneck im Pustertal als zweiter von drei Söhnen (und vier Töchtern) des Friedrich von Wolkenstein und der Katharina von Villanders geboren. Er stammte also aus dem Zweig der Tiroler Adelsfamilie der Villanders, der sich nach der Burg Wolkenstein im Grödental nannte.

Oswald von Wolkenstein verließ bereits mit zehn Jahren sein Elternhaus, um als Knappe zu dienen und die Welt zu bereisen. Wohl im Gefolge eines fahrenden Ritters reiste er, wie es damals für den Sohn eines Edelmanns üblich war, in der Welt umher, lernte Europa umfassend kennen und kam vermutlich bis in den Vorderen Orient. Nach dem Tod seines Vaters 1399 kehrte Oswald nach Tirol zurück und ist ab 1400 dort wieder urkundlich nachweisbar. In den folgenden zwei Jahren nahm er am erfolglosen Italienfeldzug des deutschen Königs Ruprecht III. von der Pfalz teil; auch ein Streit mit seinem Bruder Michael um das Erbe des Vaters fällt in diese Zeit. Nach seiner Rückkehr von einer Reise ins Heilige Land erwarb Oswald das Wohnrecht im Augustiner-Chorherrenstift Neustift, weiters gehörte ihm ein Drittel von Burg Hauenstein bei Seis. Der Brixner Bischof ernannte ihn zum "Hauptmann des Gotteshauses Brixen". Er reiste weiter nach Holland, England und Spanien, wo er die maurische Sprache sowie Kastilisch und Katalonisch erlernte.

1415 nahm Oswald am Konzil von Konstanz teil und trat dann in die Dienste von König Sigmund, von dem er in dessen Auseinandersetzungen mit Herzog Friedrich IV. von Österreich als Verbindungsmann zum Tiroler Adel eingesetzt wurde. Eine Gesandtschaftsreise zur Beseitigung des Schismas führte ihn über England und Schottland nach Portugal und Frankreich. 1417 war Oswald wieder in Konstanz, später in Tirol, wo er sich dem Adelsbund gegen den Landesherrn Friedrich IV. von Tirol anschloss. In diese Jahre fiel auch Oswalds Vermählung mit Margarete von Schwangau in Schaben, mit der er fünf Söhne und zwei Töchter hatte. Von Mitte September 1421 bis März 1422 war Oswald Gefangener seiner Gegner, vor allem Friedrichs, auf Schloss Forst in Meran und später in Innsbruck. Gegen eine zu zahlende Summe von 6.000 Dukaten kam Oswald wieder für fünf Monate frei, da er jedoch das Geld nicht bezahlte und darum erneut gefangen genommen werden sollte, floh er zu König Sigmund nach Ungarn.

In den folgenden Jahren suchte Oswald vergeblich Hilfe bei Sigmund und anderen Adeligen und Fürsten zur Bereinigung seiner offenen Angelegenheiten. Einer Vorladung zu einem in Wien angesetzten Rechtstag, auf dem seine Streitsachen ausgetragen werden sollten, leistete er genauso wenig Folge wie einer Vorladung zu einem in Bozen angesetzten Landtag. Stattdessen floh Oswald, wurde aber aufgegriffen und in der Burg Vellenberg bei Götzens erneut gefangen gehalten, bis er sich mit seinen privaten Gegnern auf einen Kompromiss einigen konnte. Bis 1434 blieb Oswald in der Umgebung von König Sigmund, danach konzentrierte er den Kreis seines Wirkens auf den Südtiroler Raum, wo er weiterhin wichtige Ämter ausübte. 1445 nahm Oswald noch am Landtag in Meran teil und starb dort am 2. August. Er wurde im Kloster Neustift bei Brixen begraben, wo sein Grab 1973 wiedergefunden wurde.

Sein Werk ist nach Umfang und Bedeutung eines der wichtigsten jener Zeit. Oswald von Wolkenstein hinterließ etwa 130 vorwiegend weltliche Lieder mit Melodien, die im Wesentlichen in drei Sammelhandschriften erhalten sind, von denen sich eine im Besitz der Universitätsbibliothek Innsbruck befindet.

Quellen:

Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden. Neunzehnte, völlig neu bearbeitete Auflage. Sechzehnter Band NOS-PER, Mannheim 1991. Eduard Widmoser, Südtirol A-Z. Band 4: O-Z, Innsbruck/München 1995.

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