Paul von Sternbach-Straße Nr. 1; Oberragen Nr. 20, 20a, 20b, 20c: Ansitz Sternbach

Grundbuch-Nr.: 18

Frühere Namen:

Die ersten Inhaber des nachmaligen Ansitzes Sternbach waren die Herren von Welsberg. 1413 stifteteten Joachim von Villanders und Hanns, sein Sohn und Hauptmann auf Bruneck, in der Kapelle der Unser-Frauen-Kirche in Bruneck eine Kaplanei mit sechs wöchentlichen Messen. Auf dem Erbweg kam diese Kaplanei an Caspar Ritter von Welsberg. Sein Nachfahre Bartholomäus war der Erbauer der Welsbergischen Behausung unter der heutigen Pfarrkirche. Er war zwischen 1478 und 1493 sowie nach 1502 Schlosshauptmann in Bruneck, unter Kaiser Maximilian I. wurde er auch zum kaiserlichen Rat bestellt. 1509 wird er als Gewerke des Kupferbergwerks am Rettenbach in Prettau genannt.

Bartholomäus' Tochter Susanna war mit Freiherrn Veit von Wolkenstein-Rodenegg verheiratet, über den die Welsbergischen Besitzungen erbweise an das Geschlecht der Wolkenstein-Rodenegg kamen. Veits Sohn Christoph d.Ä. von Wolkenstein verhalf dem Bergwerk in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zur Blüte. Er hielt sich teils in Bruneck, teils in Lienz auf. Auch seine Söhne arbeiteten als Gewerken in Prettau, aufgrund einer wirtschaftlichen Krise aber mussten deren Söhne das Anwesen in Bruneck verkaufen. Hans und Michael Grafen Wolkenstein überließen demnach die Wolkensteinische Behausung Albrecht Freiherrn von Wolkenstein-Trostburg. Zwischen 1645 und 1682 soll das Haus sechsmal den Besitzer gewechselt haben, unter den Eigentümern war auch der Brixner Weihbischof Jesse Perkhofer zu Köstlan und Riggburg, Bischof zu Belm. Der häufige Wechsel brachte mit sich, dass das Gebäude stark litt, da es zwischenzeitlich vermutlich nur von Bauleuten bewohnt war.

1682 kaufte Andreas von Wenzl d.J., der 1664 den Adelsstand erhalten hatte, die sogenannte Welsbergische oder Wolkensteinische Behausung in Bruneck. Unter seinem Sohn Anton Wenzl Freiherr von Sternbach, einem der reichsten Grundherren und Gewerken Tirols, wurde die Wolkensteinische Behausung von Grund auf erneuert und erweitert und schließlich durch den Fürstbischof in den Rang eines Ansitzes mit dem Namen "Sternbach" erhoben (1684). Anton ließ in den nunmehrigen Ansitz eine Hauskapelle einbauen und die steinerne Bildsäule mit der Darstellung der Unbefleckten Empfängnis (angefertigt 1701 durch den Bildhauer Michael Rasner) vor dem Ansitz errichten.

Annasaeule 1 Annasaeule 21716 fand Anton Wenzl Freiherr von Sternbach in der Nähe von Welsberg bei einem Raubüberfall einen gewaltsamen Tod.

1723 kam es in Bruneck zum verheerenden Stadtbrand, der mit Kupfer gedeckte Ansitz Sternbach blieb verschont. Das Haus erlebte im 18. Jahrhundert immer wieder Truppeneinquartierungen. 1738 stiegen Franz Stephan von Lothringen und Maria Theresia auf ihrem Weg von Wien nach Florenz für eine Übernachtung im Ansitz ab. Zwischen 1741 und 1743 fanden in dem Haus die Ursulinen provisorische Unterkunft.

Johann Freiherr von Sternbach, der mit seiner Familie im Ansitz wohnte, war 1835 Bürgermeister von Bruneck. 1848 wurde er zum Landtagsabgeordneten gewählt und erhielt 1841 von Kaiser Ferdinand I. den Titel eines k.k. Kämmerers. Mit der Grundentlastung im 19. Jahrhundert und dem markanten Einbruch des Kupferpreises geriet Johann von Sternbach in finanzielle Not, bevor er 1879 starb. Sein ältester Sohn Gottfried erbte die väterlichen Güter, übersiedelte von Klausen nach Bruneck und trat in den Ruhestand. 1886 wurde er zum Landtagsabgeordneten gewählt, 1895 verstarb er in Bruneck. Zunächst übernahm sein Sohn Hans die Liegenschaften in Bruneck und Taufers, gab sie aber 1899 an seinen Bruder Paul Wenzl Freiherrn von Sternbach weiter. Dieser wurde 1902 in den Tiroler Landtag und Landesausschuss gewählt und zog nach dem Ersten Weltkrieg und der Annexion Südtirols an Italien nach Bruneck. Seit 1924 war er Abgeordneter im Parlament in Rom, wurde verbannt, 1939 optierte er für das "Dableiben" in Südtirol und wurde nach Innsbruck konfiniert. Sein Sohn Lothar übernahm von ihm den Ansitz Sternbach.

Bemerkungen:

Das Palais Sternbach ist samt Mariensäule und Garten denkmalgeschützt (externer Link zum Monumentbrowser der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol).

Literatur:

Eva Kobler, Der Ansitz im Raum Tirol als Ausdruck repräsentativen Wohnens zwischen Renaissance und Barock, unter besonderer Berücksichtigung des Ansitzes Sternbach zu Bruneck, Dipl. phil. masch., Innsbruck 1994.

Claudia Plaikner, Die Ansitze im Raum Bruneck, Diss. phil., Innsbruck 1994, Band I, S. 136-171. Anton Sitzmann, Häuserbuch der Altstadt Bruneck (1780-1964), Diss. phil., Band II, Innsbruck 1965, S. 305f.