Ansitz Sternbach, Palais Sternbach

Adresse: Paul von Sternbach-Straße Nr. 1; Oberragen Nr. 20, 20A, 20B, 20C, Bruneck.

Frühere Namen:

1413 stifteteten Joachim von Villanders und Hanns, sein Sohn und Hauptmann auf Bruneck, in der Kapelle der Unser-Frauen-Kirche in Bruneck eine Kaplanei mit sechs wöchentlichen Messen. Auf dem Erbweg kam diese Kaplanei an Caspar Ritter von Welsberg. Sein Nachfahre Bartholomäus war der Erbauer der Welsbergischen Behausung unter der heutigen Pfarrkirche. Er war Schlosshauptmann in Bruneck, unter Kaiser Maximilian I. wurde er auch zum kaiserlichen Rat bestellt. 1509 wird er als Gewerke des Kupferbergwerks am Rettenbach in Prettau genannt.

Bartholomäus' Tochter Susanna war mit dem Freiherrn Veit von Wolkenstein-Rodenegg verheiratet, über den die Welsbergischen Besitzungen erbweise an das Geschlecht der Wolkenstein-Rodenegg kamen. Aufgrund einer wirtschaftlichen Krise aber musste das Anwesen verkauft werden. Zwischen 1645 und 1682 soll das Haus sechsmal den Besitzer gewechselt haben, unter den Eigentümern war auch der Brixner Weihbischof Jesse Perkhofer zu Köstlan und Riggburg, Bischof zu Belm. Der häufige Wechsel brachte mit sich, dass das Gebäude stark litt, da es zwischenzeitlich vermutlich nur von Bauleuten bewohnt war.

1682 kaufte Andreas von Wenzl d.J., der 1664 den Adelsstand erhalten hatte, die sogenannte Welsbergische oder Wolkensteinische Behausung. Unter seinem Sohn Anton Wenzl Freiherr von Sternbach wurde das Gebäude erneuert und erweitert und schließlich durch den Fürstbischof in den Rang eines Ansitzes mit dem Namen "Sternbach" erhoben (1684). Anton ließ eine Hauskapelle einbauen und die steinerne Bildsäule mit der Darstellung der Unbefleckten Empfängnis (angefertigt 1701 durch den Bildhauer Michael Rasner) vor dem Ansitz errichten.

Annasaeule 1 Annasaeule 21723 kam es in Bruneck zum verheerenden Stadtbrand, der mit Kupfer gedeckte Ansitz Sternbach blieb verschont. Das Haus erlebte im 18. Jahrhundert immer wieder Truppeneinquartierungen. 1738 stiegen Franz Stephan von Lothringen und Maria Theresia auf ihrem Weg von Wien nach Florenz für eine Übernachtung im Ansitz ab. Zwischen 1741 und 1743 fanden in dem Haus die Ursulinen provisorische Unterkunft.

Johann Freiherr von Sternbach, der mit seiner Familie im Ansitz wohnte, war 1835 Bürgermeister von Bruneck. 1848 wurde er zum Landtagsabgeordneten gewählt und erhielt 1841 von Kaiser Ferdinand I. den Titel eines k.k. Kämmerers. Sein ältester Sohn Gottfried erbte die väterlichen Güter und übersiedelte von Klausen nach Bruneck. 1886 wurde er zum Landtagsabgeordneten gewählt, 1895 verstarb er in Bruneck. Zunächst übernahm sein Sohn Hans die Liegenschaften in Bruneck und Taufers, gab sie aber 1899 an seinen Bruder Paul Wenzl Freiherrn von Sternbach weiter.

Bemerkungen:

Das Palais Sternbach ist samt Mariensäule und Garten denkmalgeschützt (externer Link zum Monumentbrowser der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol).

Literatur:

  • Eva Kobler, Der Ansitz im Raum Tirol als Ausdruck repräsentativen Wohnens zwischen Renaissance und Barock, unter besonderer Berücksichtigung des Ansitzes Sternbach zu Bruneck, Dipl. phil. masch., Innsbruck 1994.
  • Claudia Plaikner, Die Ansitze im Raum Bruneck, Diss. phil., Innsbruck 1994, Band I, S. 136-171. Anton Sitzmann, Häuserbuch der Altstadt Bruneck (1780-1964), Diss. phil., Band II, Innsbruck 1965, S. 305f.