Johann-Georg-Mahl-Straße

Akt:

Mit Gemeinderatsbeschluss Nr. 164 vom 9. August 1990 wurde die Straße benannt.

Herkunft:

Die Straße ist nach dem Buchdrucker, Zeitungsherausgeber und Bürgermeister Johann Georg Mahl (1823-1901) benannt.

Mahl wurde 1823 in Rattenberg geboren und war ab 1849 in Bruneck ansässig. Er war Buchdrucker, errichtete 1849 eine Buchdruckerei mit einer "Christenlehrwaaren-Handlung" in der Brunecker Stadtgasse und lancierte 1850 den Pusterthaler Boten, die erste regelmäßig erscheinende Zeitung der Stadt, ein Medium bürgerlichen Fortschritts und besserer Vernetzung des Wirtschaftraums.

Im Brunecker Vereinsleben betätigte sich Mahl äußerst eifrig: 1864 gründete und führte er die Turnerwehr, eine eigene Feuerwehrabteilung der Turner von Bruneck mit eigener Satzung (eine freiwillige Feuerwehr). Am 30. April 1870 rief er den Verschönerungsverein (die "Stadtverschönerungs-Gesellschaft") ins Leben, den ersten Verein dieser Art in ganz Tirol, und stand ihm als Obmann vor. Der Verschönerungsverein förderte den Tourismus in Bruneck auf vielfältige Weise und leistete unermüdliche Überzeugungsarbeit zur Schaffung eines fremdenverkehrskonformen Bewusstseins und Verhaltens bei den örtlichen Gastwirten und der gesamten Bevölkerung. Mahl hatte die weitschauende Erkenntnis, dass mit dem Bau der Pustertalerbahn (Eröffnung im Spätherbst 1871) der Fremdenverkehr in Bruneck zunehmen würde. Weiters suchte er, das Stadtbild den steigenden Erwartungen anzupassen: Er ergriff zahlreiche Initiativen zur Herstellung, Gestaltung und Pflege öffentlicher Anlagen, kämpfte um die Sauberkeit der Gassen, um Schatten spendende Bäume und eine dezente Stadtbeleuchtung.

Im Herbst 1881 wurde Mahl zum Bürgermeister von Bruneck gewählt. Die Anforderungen an den neuen Bürgermeister waren hoch: Gemeinsam mit dem Bürgerausschuss und dem Magistrat musste er das Budget sanieren und das sich rasch verändernde Bruneck an die neuen Zeitverhältnisse anpassen. In dem seit der Frühen Neuzeit annähernd gleichen Häuserbestand wohnten nun rund 25 Prozent mehr Menschen als noch um 1830; die Stadt stand also unter großem Bevölkerungsdruck. Die Zahl der sozial Schwachen, Dienstbot/inn/en und Arbeiter wuchs, sozialstaatliche Leistungen fehlten, es mangelte an der Grundversorgung, vor allem im Bereich des Trinkwassers. 1882 hatte Mahl mit den Folgen einer verheerenden Überschwemmung zu kämpfen, die mehrere Häuser und Brücken mitriss und das Stadtbild von Bruneck veränderte. Nach den unmittelbaren Evakuierungs- und Hilfsaktionen war eine erzwungene Erneuerung vonnöten. Mahl und der Gemeinderat durchliefen einen "Crashkurs" in moderner Stadtverwaltung und mussten sich an gewagte technische Lösungen und Finanzierungsformen wagen.

In den nächsten Jahren standen die Regulierung der Rienz, die Ablösung von Grundstücken, der Bau neuer Brücken, die Planung einer neuen Wasserleitung und einer Jägerkaserne und die Verlegung des Viehmarkts auf dem Programm. 1884 wurde Mahl für seine Verdienste mit der Ehrenbürgerschaft von Bruneck ausgezeichnet. 1886 lud er Kaiser Franz Joseph I. auf die Kaiserwarte auf dem Kühbergl ein, einen Turm aus Holz, der Aussicht über das gesamte Brunecker Becken bot. Der Kaiser hielt sich vom 16. bis zum 21. September in Bruneck auf und konnte von der Kaiserwarte aus die "Kaisermanöver" beobachten.

Anlässlich der Gemeinderatswahlen im Herbst 1887 trat Mahl vom Bürgermeisteramt zurück, um sich wieder verstärkt seinem Betrieb zu widmen. 1889 wurde auf sein Betreiben hin eine Brunecker Sektion des Österreichischen Touristenclubs gegründet, der sich jedoch drei Jahre später wieder auflöste. Mahl starb 1901 in Bruneck.

Quellen:

Informationen von Prof. Dr. Hubert Stemberger, Bruneck. Stefan Lechner (Hg.), Der lange Weg in die Moderne. Geschichte der Stadt Bruneck 1800-2006, Innsbruck 2006. Hubert Stemberger, Brunecker Buch. Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Stadterhebung (Schlern-Schriften 152), 2. Auflage, Innsbruck 2003.

Karte: