Althingstraße

Akt:

Die Straße wurde mit Gemeinderatsbeschluss Nr. 163 vom 6. November 1966 benannt, eine Richtigstellung erfolgte von Alttingstraße in Althingstraße.

Herkunft:

Zwischen St. Georgen und Stegen gibt es eine weite Flur zwischen der Stegener Kirche und dem großen Knie der Ahr, die den Namen Althing trug und vom Wald und vom erlenbewachsenen Ahrufer begrenzt wurde. Dieser alte Flurname weist vielleicht darauf hin, dass auf diesen Wiesen im Früh- und Hochmittelalter die allgemeine "Gauversammlung" abgehalten wurde: "Thing" oder "ding" bezeichnete im Althochdeutschen die allgemeine Volksversammlung und das Gericht; in Island wird die seit dem Jahr 930 bestehende Volksversammlung auch heute noch "Althing" genannt (siehe dazu auch: Der sogenannte Gerichtsstein in St. Georgen).

Über Gerichtsversammlungen in den Stegener Feldern gibt es keine schriftlichen Quellen, doch findet man noch heute in der Nähe der Schottergrube einen großen, teilweise im Flussbett der Ahr versunkenen Granitblock, der als Althingstein bezeichnet wird. Dieser Stein soll der Überlieferung nach eine Inschrift tragen, die heute jedoch unter Wasser liegt oder ausgespült ist.

Die größte Jahresversammlung, die in der Althing abgehalten wurde, dürfte der "Herbstgautag" gewesen sein, der jeweils Ende Oktober stattfand. Um die neuen Produkte und das Sommervieh zu verkaufen, sich für den Winter zu rüsten und sich mit Ware zu versorgen, wurde dieses Treffen benützt, und es entstand daraus ein Jahrmarkt. Nach der Volksüberlieferung sollen in diesem Jahrmarkt die Ursprünge des Stegener Marktes zu finden sein, der noch heute der größte Markt im Pustertal ist.

Zur Zeit der Franzosenkriege war die Althing der Musterungsplatz für Soldaten aus dem Tauferer Ahrntal.

Quellen:

Maria Hilber Mutschlechner, 1000 Jahre Stegen, Bruneck [1996]. Michael Mitterhofer (Hg.), St. Georgen an der Ahr im Spiegel seiner Geschichte. Dorfbuch, St. Georgen 1985. Georg Markus Schraffl, Aus der Chronik von St. Georgen, Brixen o.J. Karl Staudacher, "Stegener Alting", in: Der Schlern Nr. 7, 1926, S. 173-174.

Karte: