Paul-von-Sternbach-Straße

Vormals: Vintlergasse, Klebelsberggasse (1886); Lamprechtsburgerweg (Vom Ansitz Sternbach bis zur Carabinieri-Kaserne). 1945 findet sich die Bezeichnung Vintlerweg.

Die Straße wurde mit Gemeinderatsbeschluss Nr. 163 vom 7. November 1966 benannt, eine Änderung von Paul von Sternbach-Straße in Paul-von-Sternbach-Straße erfolgte mit Gemeinderatsbeschluss Nr. 157 vom 6. August 1992.

Die Straße ist nach dem Politiker und Verwaltungsjuristen Paul Reichsfreiherr von Sternbach (1869–1948) benannt.

Baron Paul von Sternbach wurde am 29. Juli 1869 als drittes von sechs Kindern in Klausen geboren; er stammte aus einer alten Tiroler Familie, sein Vater Gottfried leitete das Bergwerk im Tinnebachtal bei Klausen, bis er die Liegenschaften in Bruneck erbte und mit der Familie dorthin übersiedelte. Paul besuchte die Volksschule in Klausen, dann das Gymnasium in Bozen und schließlich jenes in Meran, um nach der Reifeprüfung im Jahr 1888 ein Jahr lang seinen Militärdienst als Freiwilliger bei den Kaiserjägern abzuleisten. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck. Nach dem Abschluss seiner Studien im Jahr 1893 wurde er Verwaltungsbeamter und arbeitete am Verwaltungsgerichtshof in Wien und bei Bezirkshauptmannschaft und Statthalterei in Triest und Dalmatien, wofür er Kroatisch lernte.

In Triest lernte Paul von Sternbach seine zukünftige Frau, Gottfrieda von Henriquez, kennen, die er 1902 heiratete und mit der er drei Söhne bekam: Wolfgang (1903–1938), Lothar (1905–2005) und Nikolaus (1907–1915). Die Familie ließ sich in Innsbruck nieder, da Sternbach von der Kurie des Adeligen Großgrundbesitzes in den Tiroler Landtag entsandt und von da aus in den Landesausschuss (Tiroler Landesregierung) gewählt worden war. Seine Zuständigkeiten waren die Landwirtschaft, lokale Angelegenheiten, die Feuerwehr und die Landesanstalten (Schulen und Heilanstalten). In Hall und in Pergine erneuerte er die Pflegeanstalten für psychisch Kranke, in Mils bei Hall wurde die Taubstummenanstalt ausgebaut, in Innsbruck die Gebärklinik. Sternbach förderte den Bauernstand und baute das landwirtschaftliche Schulwesen weiter aus; die Lehranstalten in Rotholz und San Michele erfuhren unter ihm einen enormen Aufschwung. Er gründete auch die Landwirtschaftsschule in Sterzing - die Vorgängerin der heutigen Lehranstalt in Dietenheim.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde Sternbach noch mit 45 Jahren als Reserveleutnant einberufen. Zunächst sollte er für die Sicherung der Eisenbahnstrecken Toblach-Cortina und Innsbruck-Matrei sorgen, nach dem Kriegseintritt Italiens 1915 kam sein Bataillon in die Nähe des Col di Lana und später auf den Kreuzbergpass. 1916 wurde Sternbach als Zivilkommissär zuerst mit der Verwaltung von Montenegro, dann von Udine betraut. Nach Kriegsende kehrte Sternbach an seine Dienststelle im Tiroler Landesausschuss zurück. Vorerst blieb Tirol verfassungsrechtlich selbständig und erklärte sich nicht als Teil des neuen österreichischen Staates. Sternbach war Tiroler Vertreter bei den Friedensverhandlungen in Saint Germain und händigte im Februar 1919 dem amerikanischen Gesandten in Bern die Denkschrift sämtlicher Südtiroler Gemeinden an den amerikanischen Präsidenten Wilson aus.

Nach der Teilung Tirols zog sich Sternbach aus der Beamtenlaufbahn zurück und ging zurück nach Bruneck, um seinen ausgedehnten Familienbesitz zu verwalten – nicht ohne vorher jedoch ein Jahr lang die Schulbank in der Landwirtschaftsschule in Rotholz zu drücken, da er als Bauer keinerlei Erfahrung hatte. Es kam jedoch nicht dazu, dass Sternbach selbst als Landwirt arbeitete: 1924 wurde er vom Deutschen Verband als Parlamentskandidat aufgestellt. Da er in den Augen der Verantwortlichen als ehemaliges Mitglied der Tiroler Landesregierung Altösterreich verkörperte, zog dies heftige Ressentiments italienischer Nationalisten und Faschisten nach sich, die Sternbach durch einen unerschrockenen und kämpferischen Wahlkampf noch anheizte. Am Wahltag wurde daher ein Anschlag durch Faschisten auf ihn verübt: Unter der Führung von Lorenzo Beltrame suchte ihn ein Kampftrupp auf seinem Ansitz in Uttenheim auf und wollte ihn zum Mitkommen nötigen. Herbeieilende Bauern standen ihm jedoch bei und schlugen die Angreifer in die Flucht.

Trotz des faschistischen Widerstandes erzielte der Deutsche Verband einen überzeugenden Wahlsieg; Paul von Sternbach zog gemeinsam mit Karl Tinzl in das italienische Parlament ein. 1924 bis 1929 war er Kammerabgeordneter in Rom. Dort setzte er sich stets auch für Brunecker Angelegenheiten ein und protestierte etwa gegen das Verbot des Sommerfestes. Obwohl Abgeordneter, wurde Sternbach als „unbeugsamer Feind Italiens“ überwacht, seine Post wurde geöffnet, sein Stadtpalais durchsucht. In der österreichischen und deutschen Presse gehörte er zu den Südtirolern, die mit am öftesten genannt wurden, da er aufgrund seiner Vergangenheit und seiner politischen Tätigkeiten, u.a. als Mitglied der Völkerbundsligen, über weitreichende Kontakte und einen hohen Bekanntheitsgrad verfügte. Seine aktive Gegnerschaft zur Italianisierungspolitik war den Faschisten ein besonderer Dorn im Auge. Seine volkstumspolitischen Aktivitäten beschränkte er nicht auf den Brunecker Raum, sondern dehnte sie auf das gesamte Pustertal aus. Unter der bäuerlichen Bevölkerung galt er in wirtschaftlich schwierigen Zeiten oder bei Problemen mit den italienischen Behörden als erste Anlaufstelle.

Im April 1935 wurde Sternbach zur Verbannung verurteilt, da er mehreren Bauern bei der Abfassung eines Gesuches um Rückgängigmachung des Antrages auf Italianisierung ihrer Namen geholfen hatte. Zuerst wurde er in Petraglia Soprana, dann in Frascati konfiniert. Im Ausland gab es heftige Proteste gegen die Verbannung, schließlich musste Mussolini nachgeben und die Verbannung im September 1935 aufheben. Sternbach erntete dafür die Empörung und den Hass der Brunecker Schwarzhemden: Sie warfen die Fenster seines Stadtpalais ein und versuchten sogar, Feuer zu legen. Während der Optionszeit stand Sternbach der Minderheit der Dableiber vor. Nach dem Einrücken der Deutschen wurde er am 11. September 1943 von einem SS-Offizier festgenommen und vorläufig im Bozner Gasthof Unterhofer interniert, bevor er im November in Innsbruck unter Polizeiaufsicht gestellt wurde. Bei einem alliierten Bombenangriff Mitte Dezember wurde er dort schwer verletzt. Nach langen Bemühungen seiner Freunde und seines Sohnes Lothar durfte er nach Südtirol zurückkehren, wo er bis März 1944 im Brunecker Spital lag.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war Baron Sternbach im Gemeindeausschuss von Bruneck tätig, schloss sich der Südtiroler Volkspartei (SVP) an, und trat bei politischen Veranstaltungen im Pustertal immer wieder als Redner auf, bis sein Gesundheitszustand dies nicht mehr zuließ. Am 22. Oktober 1948 starb Paul von Sternbach in seiner Heimatgemeinde Bruneck.

Literatur | bibliografia:

  • Alois Duregger, Bruneck und seine bedeutendsten Söhne (An der Etsch und im Gebirge 30), Brixen 1980.
  • Stefan Lechner (Hg.), Der lange Weg in die Moderne. Geschichte der Stadt Bruneck 1800-2006, Innsbruck 2006.
  • Lothar von Sternbach, Paul Freiherr von Sternbach zum 50. Todestag am 22. Oktober 1948. Persönlichkeit und Werk. Eigene Erinnerungen und Geschichte. In: Der Schlern 1998, Heft 10.
  • Eduard Widmoser, Südtirol A–Z. Band 4: O–Z. Innsbruck/München 1995.