An der Kaiserwarte Nr. 1: Obermohrberger, Obermorberg, Obermoarberg

 

Grundbuch-Nr.: 576 et al.

Frühere Namen:

Die zwei Höfe zu Morberg (Worberg) befanden sich in Reiperting und bildeten bis ins 16. Jahrhundert einen Hof. Im Rustikalsteuerkataster des Oberamtsgerichts Bruneck aus dem Jahr 1777 scheint der Hof zu Morberg geteilt in Obermorberg und Untermorberg auf. Die Höfe waren zwei der vier Kuchlmairhöfe in Reischach. Die Kuchlmairhöfe unterstanden dem Oberamtsgericht Bruneck, das sich nach der Verlegung des Amtes Aufhofen auf Schloss Bruneck entwickelt hatte und dessen Aufgabe es war, den Besitz der Brixner Bischöfe im Pustertal zu verwalten.

Es gab ungefähr 40 solcher Kuchlmairhöfe in der näheren und weiteren Umgebung von Bruneck. Ihre Aufgabe war, das Schloss Bruneck mit Lebensmitteln, Brennholz, Pferdefutter und anderen Dingen zu versorgen, wenn der Fürstbischof mit seinem Hofstaat auf der Burg weilte. Auf Morberg ließ Bischof Ulrich II. Putsch im Jahr 1428 einen Weiher graben, damit der Inhaber des Kuchlmairhofes Morberg jährlich sechs Pfund Fische abliefern konnte. Zu allen Kuchlmairhöfen gehörten eine Hausmühle und Stampfe, ein Kornkasten, ein Baumgarten, ein Backofen, ein Kräutergarten, ein Schweinegarten und ein Kälbergarten. Neben den Abgaben, die sie an das Schloss Bruneck zu entrichten hatten und den Auflagen, das Heu von der Ragenwiese zu mähen und ins Schloss zu bringen, hatten die Kuchlmairhöfe auch einige Vergünstigungen: So wurde ihnen Zollfreiheit bei den fürstlichen brixnerischen Zollstätten gewährt, sie durften auch bei trübem Wasser fischen und auf Zugvögel schießen.

Die Nutzungsrechte an Wald und Weide (Reischinger Moos und Alpe/Ochsenalm) teilten sich die Kuchlmair mit den jeweiligen Nachbarschaften. Sie leisteten Abgaben fürs Wetterläuten an den Pfarrmesner in Bruneck, den Mesner in Reischach und an die Kirche in Reischach. Durch die Allodifizierungsurkunde vom 12. September 1811 der Königlich Bayrischen Regierung wurden die Kuchlmairhöfe, wie die anderen Bauernhöfe auch, in bodenzinspflichtiges Eigentum umgewandelt.

Erklärung:

Nach der Lage benannter Mair-Hof (man verwende die mundartl Form -moar-) am Moarberg. Der Moarberg ist nach dem Hof benannt (E. Kühebacher).

Literatur:

Raimund Grießmair, Reischach. Aus der Geschichte eines Dorfes, Bruneck 2007.