Bruder-Willram-Straße

Akt:

Mit Gemeinderatsbeschluss Nr. 163 vom 6. November 1966 wurde die Straße benannt, mit Gemeinderatsbeschluss Nr. 157 vom 6. August 1992 erfolgte die Richtigstellung von Bruder Willram-Straße in Bruder-Willram-Straße.

Herkunft:

Die Straße ist nach dem Religionsprofessor und Dichter Bruder Willram (1870-1939) benannt.

Bruder Willram wurde am 16. März 1870 als Sohn des Zimmermeisters Anton Müller in Bruneck geboren und auf den Namen Anton getauft. Er ging in Bruneck zur Volksschule, bevor er das Humanistische Gymnasium in Brixen besuchte und anschließend am dortigen Priesterseminar Theologie studierte. 1892 wurde Müller zum Priester geweiht und später, nach einigen Jahren als Seelsorger in verschiedenen Gemeinden, von seinen Oberen nach Rom geschickt, um am Priesterkolleg von S. Maria dell’Anima seine theologischen Studien zu vertiefen. Ohne jedoch zu promovieren, verließ er Rom und wurde Religionsprofessor in Innsbruck.

Er verfasste viele kriegsverherrlichende Gedichte, in denen er den Patriotismus und die Opferbereitschaft der Bevölkerung zu mobilisieren und den Krieg zu rechtfertigen suchte: Der Krieg sei der österreichisch-ungarischen Monarchie von außen aufgedrängt und zu einem Krieg der Kultur gegen die Unkultur und der Zivilisation gegen die Barbarei geworden. Als Wortführer der Tiroler Propaganda während des Ersten Weltkrieges, wegen seiner extremen Kriegsbejahung und wegen seiner Artikel in den großen österreichischen Zeitungen während der Pariser Friedensvertragsverhandlungen war Bruder Willram den Faschisten ein Dorn im Auge. Als Mitglied des Innsbrucker Andreas-Hofer-Bundes war er nach der Annexion Südtirols an Italien propagandistisch tätig, was ihm eine Überwachung der italienischen Behörden einbrachte.

Bruder Willram musste 1923 Bruneck verlassen, nachdem ihm lokale Faschisten ein Ultimatum gestellt hatten. Gegen Ende der 1920er Jahre stellte er seine Südtirolaktivitäten allmählich ein; die "Jungtiroler Spielschar des Bruder Willram Bundes" wirkte jedoch in seinem Sinne und führte 1930 im Rheinland in mehreren Städten szenische Darstellungen auf, um die deutsche Öffentlichkeit für die Südtirolfrage zu sensibilisieren. Seine Heimatstadt Bruneck durfte Anton Müller während der Zeit des Faschismus nicht mehr betreten.

Bekannt ist Anton Müller heute unter seinem Dichternamen "Bruder Willram": Als Schriftsteller war er Epiker und Lyriker, der Heimatliebe, Südlandsehnsucht und Madonnenverehrung in seinen Werken vereinigte. Er hat etwa ein Dutzend Bändchen herausgebracht, die hauptsächlich Lieder und Gedichte enthalten. Einige seiner bekanntesten Werke sind "Blütenstaub und Blättergold", "Kiesel und Kristall", "Wanderweisen und Heimatlieder", "In wachen Träumen", "Grünes Laub und weißer Flieder", "Aus goldenen Tagen", "Bilder auf Goldgrund", "Letzte Gedichte", "Bilder aus Brixens Vergangenheit". Bruder Willram erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, bevor er am 16. Februar 1939 in Innsbruck starb.

Quellen:

Alois Duregger, Bruneck und seine bedeutendsten Söhne (An der Etsch und im Gebirge 30), Brixen 1980. Stefan Lechner (Hg.), Der lange Weg in die Moderne. Geschichte der Stadt Bruneck 1800-2006, Innsbruck 2006. Eduard Widmoser, Südtirol A-Z. Band 1: A-F. Südtirol-Verlag, Innsbruck/München 1982.

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