Aufhofner Straße Nr. 17: Ansitz Ansiedl, Ansiedel

 

Frühere Namen:

Der Ansitz stammt in der Originalstruktur wohl noch aus dem 12. Jahrhundert, als das Haus Sitz des bischöflichen Amtmannes und des Bischofs bei dessen Aufenthalten war. Erst mit der Erbauung der Burg und Stadt Bruneck verlor Aufhofen als Verwaltungszentrum seine Bedeutung. Konrad von Aufhofen führte 1295 ein Wappen. Ihm wurde die Burg Ansiedl zu Lehen übergeben, nachdem das Amtgericht samt Urbarverwaltung nach Bruneck übersiedelt war.

1384 verkaufte Hanns der Rinckwein von Aufhofen seinem Freund Nikolaus dem Juden von St. Martin das Ansiedl zu Aufhofen samt aller Zubauten und Grundstücke. Das Gut kam danach an die Heuss von Mühlbach. Hans Heuss der Jüngere versah in Bruneck 1445 das Amt eines Amtmannes und empfing 1453 das Ansiedl zu Aufhofen vom Brixner Fürstbischof zum Lehen. 1514 starb Sigmund Heuss, der Sohn des Hans, Hofamtmann in Brixen und letzter seines Namens. 1502 hatte er Ansiedl seinem Vetter Hans (I.) von Rost verkauft.

DGrabdenkmal für Dionys (I.) von Rost an der Kirche von Aufhofenie Rost waren Dienstleute des Stiftes Sonnenburg und zeitweise Richter in Enneberg sowie Pfleger der Herrschaft Uttenheim. Hans (I.) nannte sich als erster "Rost von Aufhofen" und war nachweislich zu Aufhofen ansässig. Hans (II.) von Rost wurde 1543 zum Brixener Viertelhauptmann im Pustertal bestellt. Er war Lehensträger von Ansiedl und unter ihm wurde das Haus zwischen 1534 und 1540 neu aufgebaut. Dionys (I.) von Rost zu Aufhofen und Kehlburg versah das Amt eines Sekretärs und Kämmerers des Fürstbischofs. Er war nach dem Tod seines Vaters alleiniger Lehensträger des Ansitzes Ansiedl. 1592 wurde Hans Gaudenz (I.) von Rost zu Aufhofen, Kehlburg und Schrottwinkel, Sohn des Dionys (I.), mit Ansiedl belehnt. Seine Enkel wurden 1680 in den Freiherrenstand erhoben. Franz Gottlieb von Rost zu Aufhofen und Kehlburg war der letzte Lehensträger von Ansiedl aus der Rost-Familie.

Grabstein für Regina von Hebenstreit an der Pfarrkirche von AufhofenMit Regina von Hebenstreit geborener Söll von Teissegg beginnt die Reihe der Hebenstreit auf Ansiedl, die den Ansitz käuflich erwarben. Johann Josef von Hebenstreit wurde 1706 der Lehensbrief über Ansiedl ausgestellt, er war zugleich Inhaber von Unterempichl-Hebenstreit, Sonnegg und vom Steinergut in Dietenheim. Am Ende des 18. Jahrhunderts wohnten die Hebenstreit nicht mehr im Ansiedl, der Ansitz war verpachtet. 1833 scheint Johann Harrasser als Pächter auf. Bartholomäus Josef von Hebenstreit indes übermachte 1825 seinem Sohn Benedikt sein Eigentum, darunter auch den Ansitz Aufhofen (Ansiedl). 1828 überließ Benedikt seiner Schwester Josefa von Hebenstreit verehelichte Huber sein Erbe zum Alleineigentum - er selbst übersiedelte nach Bozen. Leopold Huber wohnte mit Josefa von Hebenstreit im Haus Nr. 1 in Dietenheim und war Privatier, Güterbesitzer und Gemeindevorsteher.

Nach dem Tod der Josefa kaufte der Brunecker Uhrmachermeister Anton Straßer 1874 von den Erben den Ansitz Ansiedl und verkaufte ihn 1886 weiter an Bartholomäus Hellweger. In Ansiedl hatte er eine Gastwirtschaft eingerichtet. 1906 wurde der Ansitz an Josef Feichter, einen Gastwirt aus Brixen, verkauft. 1913 kaufte Caroline von Sternberg 4/6 Anteile von Ansiedl, die nach ihrem Tod an den Neffen Georg Reichsgraf von Sternberg übergingen.

Erklärung des Namens von Egon Kühebacher:

"Ansiedl" stammt von mhd. "Sidel(e)" ab, was einen Wohnort bezeichnet.

Bemerkungen:

Der Ansitz samt Garten ist denkmalgeschützt (externer Link zum Monument-Browser der Autonomen Provinz Bozen).

Literatur:

Claudia Plaikner, Die Ansitze im Raum Bruneck, Diss. phil., Innsbruck 1994, Band I, S. 1-46. Dies., Ansiedl/Aufhofen, in: Magdalena Hörmann-Weingartner (Red.), Tiroler Burgenbuch, IX. Band - Pustertal, Bozen/Innsbruck/Wien, Athesia/Tyrolia 2003, 249f.