Josef-Seeber-Straße

Akt:

Vormals: Gartenstraße.

Die Straße wurde mit Gemeinderatsbeschluss Nr. 163 vom 7. November 1966 benannt, eine Richtigstellung von Josef Seeberstraße in Josef-Seeber-Straße erfolgte mit Gemeinderatsbeschluss Nr. 157 vom 6. August 1992.

Herkunft:

Die Straße ist nach dem Priester, Deutschlehrer und Dichter Josef Seeber (1856-1919) benannt.

Seeber wurde am 4. März 1856 als Sohn armer Leute in Bruneck geboren: Sein Vater war Hausknecht im Sternwirtshaus, die Mutter Wäscherin. Seine Eltern hatten eine kleine Wohnung im Haus von Anton Müller (dem Vater von Bruder Willram) gemietet, wo Josef aufwuchs. Er besuchte die Volksschule in Bruneck und erhielt aufgrund seines Fleißes ein Stipendium für das Augustinergymnasium in Brixen, an dem er 1874 seine Reifeprüfung mit Auszeichnung ablegte. Im Anschluss besuchte er das dortige Priesterseminar und wurde 1878 durch den Brixner Fürstbischof Vinzenz Gasser zum Priester geweiht.

Seeber kam zunächst als Aushilfspriester nach Mühlwald, nach nur zwei Monaten wechselte er in das Osttiroler Dorf Kartitsch. Doch der Bischof von Brixen hatte von seinen literarischen Fähigkeiten gehört und schickte ihn zu einem Germanistik- und Philologiestudium zurück an die Universität Innsbruck. 1881 legte Seeber die Lehramtsprüfung für deutsche Sprache ab und arbeitete daraufhin als Professor für deutsche Sprache, Literatur und Philologie am Vinzentinum in Brixen, wo er Sebastian Rieger (den späteren "Reimmichl") und Anton Müller ("Bruder Willram") unterrichtete.

Seeber war nun auch literarisch tätig: Bereits mit 15 Jahren hatte er einige Gedichte an einen Verleger geschickt, der sie damals jedoch nicht veröffentlicht hatte. Ab 1881 publizierte Seeber Aufsätze, Studien, epische Gedichte, Lyrikbände und Tragödien, und war mittlerweile ein aufstrebender und geschätzter Dichter. Als 1886 der Kaiser nach Bruneck kam, trug Josef Seeber patriotische Gedichte vor.

Seine angeschlagene Gesundheit und ein Augenleiden zwangen ihn dazu, seine Anstellung am Vinzentinum im Jahr 1887 aufzugeben. Er nahm eine Stelle als Seelsorger und Deutschprofessor an der Militäroberrealschule in Mährisch-Weißkirchen an, und war dort zehn Jahre lang tätig. Bis zu seiner Entlassung aus dem Militärdienst im Jahr 1916 arbeitete er noch in Wiener Neustadt, Salzburg, Wien und Mödling. Fast blind geworden, zog sich Seeber nach Enns zurück und starb dort am 19. April 1919.

Zu Seebers bekanntesten Werken zählen das Epos "Der ewige Jude", "Christus", "Elisabeth von Thüringen", die Dramen "Judas" und "Spinges" und das Herz-Jesu-Lied "Auf zum Schwur, Tiroler Land", das von Ignaz Mitterer vertont wurde.

Die heutige Josef-Seeber-Straße und den unteren Teil der Stegener Straße (ungefähr bis zur heutigen oberen Rienzbrücke) nannte man ursprünglich "Im Plarra". Der Name kann mehrere Ursprünge haben: diese Gegend war bei Hochwasser des öfteren von den vielen Armen der Rienz überschwemmt, wodurch Schutt und "Letten" (Schlamm, damals Plarren genannt) mitgebracht wurden; außerdem gab es in dieser Gegend vorrangig Ställe und Städel, die Kühe mussten zur Weide getrieben werden und hinterließen zwangsläufig ihren "Plarren". Es gibt aber in Nürnberg einen "Plärrer", dessen Name aus dem mittelhochdeutschen "Plerre" abgeleitet wird, was so viel wie „freier Platz“ bedeutet. Beim Augsburger "Plärrer" handelt es sich hingegen um ein großes Volksfest, in diesem Fall wird der Name mit dem Lärm ("Geplärre") der Besucher*innen erklärt.

Quellen:

Alois Duregger, Bruneck und seine bedeutendsten Söhne (An der Etsch und im Gebirge 30), Brixen 1980. Otto Guem, Josef Seeber. Ein Lebensbild (Schlern-Schriften 251), Innsbruck/München 1967. Stefan Lechner (Hg.), Der lange Weg in die Moderne. Geschichte der Stadt Bruneck 1800-2006, Innsbruck 2006. Eduard Widmoser, Südtirol A-Z. Band 4: O-Z, Innsbruck/München 1982. Siehe auch: Lexikon Literatur in Tirol.

Karte: