Am Kühbergl

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Die Straße, ursprünglich eine Sackgasse der Reischacher Straße, wurde mit Gemeindeausschussbeschluss Nr. 149 vom 30. März 2009 in "Am Kühbergl" umbenannt.

Herkunft:

Der Name Kühbergl ist ein alter Flurname und bezeichnet ein Weidegelände für Rinder.

Früher wurden hier die Kühe der Bauern der Brunecker Stadtgasse geweidet: Die Gemeindegründe am Kühbergl, das im 19. Jahrhundert weit weniger bewaldet war als heute, wurden bis in die 1920er Jahre vor allem für Hornvieh und Schafe genutzt. Vielleicht war die Nutzung sogar zu intensiv, weshalb 1893 etwa der Viehauftrieb auf einen Zeitraum von 14 Tagen vor dem Almauftrieb beschränkt werden musste. Die Grasnarben und das Aussehen der Grünflächen hatten unter der vormals zu langen Beweidung gelitten, was den Touristen und Brunecker Bürgern, die mittlerweile das Kühbergl als Erholungszone und zu Spaziergängen nutzten, nicht gefiel. Einige Jahre später erließ die Bezirkshauptmannschaft ein generelles Weideverbot am Kühbergl, um eine notwendige Aufforstung durchführen zu können.

Anlässlich der "Kaisermanöver" vom 16. bis zum 21. September 1886 wurde am höchsten Punkt des Kühbergls durch den Verschönerungsverein eine 18 Meter hohe Warte errichtet, von welcher Kaiser Franz Joseph I. und seine Begleiter die militärischen Aktionen beobachten konnten.

Der Wintersportverein errichtete 1911 eine Rodelbahn auf dem Kühbergl, die von der Kaiserwarte auf die Reischacher Straße bis zum 1878 errichteten Grebmer-Monument führte. Das "Vergnügungsrodeln" auf diesem Weg wurde jedoch bereits 1912 wegen der vielen Holzfuhrwerke und der damit verbundenen Gefahr wieder verboten.

Im und nach dem Ersten Weltkrieg weideten wieder Kühe und Schafe am Kühbergl, jedoch wurden die Lebensräume für Vieh in der Stadt weniger, sodass sich der Tierbestand immer mehr reduzierte.

1915 wurde am Kühbergl der "Waldfriedhof" errichtet.

Die Wohnbauzone am Kühbergl diente ursprünglich dazu, die "Rücksiedler" (Südtiroler, die im Rahmen der Option für Deutschland optiert hatten, in den 1940er Jahren ausgewandert und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wieder in die Heimat zurückgekehrt waren) aufzunehmen.

Quellen:

Egon Kühebacher, Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte, Band 1: Die geschichtlich gewachsenen Namen der Gemeinden, Fraktionen und Weiler, Bozen 1991. Stefan Lechner (Hg.), Der lange Weg in die Moderne. Geschichte der Stadt Bruneck 1800-2006, Innsbruck 2006. Hubert Stemberger, Bruneck und Umgebung (Südtiroler Gebietsführer, Band 7), Bozen 1988.

Karte: