Ansitz Angerburg

Adresse: Hans-Theodor-Niederbacher-Straße 1, Reischach.

Frühere Namen:

Der nachmalige Ansitz Angerburg war einer der Sitze der Herren von Rischon, deren männliche Nachkommen in der Zeit zwischen 1368 und 1373 ausstarben. 1368 verkaufte Katharina von Reischon "das gemauerte Haus und Hofstatt an dem Anger zu Reischon" an ihren Schwager Hainrich Chraindorfer; 1391 verzichtete Zäzilia von Reischon zugunsten ihrer Schwester Margareth auf ihren Anteil an diesem Haus und Margareth von Rischon und St. Lamprechtsburg verkaufte gemeinsam mit ihrem Mann Ulrich Sulzbeck (d.Ä.) genannt von Rischon ihr "Ansiedl zu Reischon auf dem Anger" an den Fürstbischof Ulrich von Brixen, der den Besitz den Verkäufern als Lehen übergab. Nach dem Tod des Ulrich Sulzbeck wurde sein gleichnamiger Sohn mit Angerburg und Kehlburg belehnt.

Nach dem Tod des letzten männlichen Nachkommen ging die Angerburg 1485 an Sigmund Kirchmair zu Ragen, Bürger zu Bruneck und Ehemann der Ursula Sulzbeck von Rischon und Schwester des Markus, über. 1495 kaufte Sebastian Prack von Asch das Gut, der Bürger von Bruneck und seit 1487 Kirchprobst der Spitalskirche war.

1514 erhielt Rafael Prack von Asch zu Bruneck das "Gesäß zu Reischon am Anger" nach dem Tod seines Vaters. Unter Christoph Prack (d.Ä.) von Asch wurde der Ansitz erweitert, er selbst erhielt eine Wappenbesserung und die Behausung wurde nun als Angerburg bezeichnet; die Pracken wurden mit dem Prädikat "von oder zu Angerburg" ausgezeichnet.

1675 kaufte die Witwe Eleonora Feichter den Ansitz und gab ihn an Hans Huber im Feld von Reischach weiter. Ab 1697 aber sind die Winkler von Colz als Inhaber der Angerburg nachgewiesen.

Johann Winkler von Colz zu Rubatsch, Pfleger in Thurn, hatte bereits 1692 Feste, Schloss und Burgfrieden St. Lamprechtsburg an sich gebracht. Sein Sohn Hanns Winkler von Colz zu Rubatsch, Lamprechtsburg und Angerburg verkaufte 1711 den Ansitz Angerburg an Anton von Wenzl Freiherrn von Sternbach, dem der Lehensbrief ausgestellt wurde.

Die Sternbach verkauften den Ansitz 1817 an Peter Mutschlechner, Küchenmair am Worberg bei Reischach.

1825 kaufte Christoph von Klebelsberg zu Thumburg, pensionierter Stadtrichter von Bruneck, der bereits Teissegg, Engelsburg, Ragen und andere Häuser an sich gebracht hatte, den Ansitz. Nach seinem Tod ging das Haus an seine Tochter Karolina über. Diese starb 1878 in Bruneck und ihr Mann Otto von Mayrhauser zu Spermannsfeld kam in den Besitz des Ansitzes.

Erklärung:

Ansitz am Anger, einer Dorfwiese.

Bemerkungen:

Der Ansitz ist denkmalgeschützt (externer Link zum Monumentbrowser der Autonomen Provinz Bozen).

Historische Aufnahmen des Ansitzes finden sich in: Helmut Stampfer (Hg.), Bauernhöfe in Südtirol. Bestandsaufnahmen 1940-1943, Band 11: Mittleres Pustertal, Teil 1: Pfalzen - St. Lorenzen - Bruneck, Bozen 2017, 590.

Literatur:

  • Claudia Plaikner, Die Ansitze im Raum Bruneck, Diss. phil., Innsbruck 1994, Band I, S. 375-413. Raimund Griessmair, Reischach. Aus der Geschichte eines Dorfes, Bruneck 2007, S. 43-50.